IKS aufbauen: So gestalten Sie Ihr internes Kontrollsystem Schritt für Schritt

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Stand: April 2026

Wenn Mandanten mich fragen, wofür ein IKS eigentlich gut ist, sage ich ihnen: Stellen Sie sich vor, Ihr Unternehmen läuft wie ein Uhrwerk — jeder Mitarbeiter kennt seine Aufgabe, Fehler werden früh erkannt, und beim nächsten Betriebsprüfer-Besuch liegt alles geordnet vor. Genau das leistet ein funktionierendes internes Kontrollsystem. IKS aufbauen bedeutet nicht, Bürokratie zu schaffen — es bedeutet, Sicherheit zu gewinnen.

Viele Unternehmer denken beim Thema IKS zunächst an Großkonzerne oder börsennotierte Gesellschaften. Das stimmt so nicht mehr. Durch die Weiterentwicklung des Steuerrechts, die GoBD und aktuelle gesetzliche Verschärfungen ist das interne Kontrollsystem längst auch für den Mittelstand und gut geführte GmbHs ein zentrales Thema. In unserer Beratungspraxis erleben wir regelmäßig, dass viele Unternehmen bereits Kontrollmechanismen haben — sie sind nur nicht dokumentiert und nicht aufeinander abgestimmt.

Was ist ein internes Kontrollsystem überhaupt?

IKS aufbauen: So gestalten Sie Ihr internes Kontrollsystem Schritt für Schritt
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Ein IKS ist die Gesamtheit aller Regelungen, Prozesse und Maßnahmen, mit denen ein Unternehmen sicherstellt, dass seine Abläufe wie geplant funktionieren — rechtlich korrekt, wirtschaftlich effizient und transparent nachvollziehbar. Der Begriff klingt technisch, ist aber im Grunde sehr praktisch: Wer darf was buchen? Wer prüft Rechnungen vor der Zahlung? Wie werden Zugriffsrechte auf IT-Systeme vergeben? All das sind IKS-Fragen.

Das System gliedert sich klassisch in zwei Teilbereiche. Das interne Steuerungssystem legt fest, nach welchen Regeln das Unternehmen handelt. Das interne Überwachungssystem prüft, ob diese Regeln tatsächlich eingehalten werden. Beide Bereiche müssen zusammenspielen — ein Regelwerk ohne Kontrolle ist genauso wertlos wie eine Kontrolle ohne klare Vorgaben.

Kernaussage: Ein IKS ist kein einmaliges Projekt, das nach dem Abschluss im Schrank verschwindet. Es ist ein lebendiger Bestandteil der Unternehmensführung, der regelmäßig überprüft und an veränderte Bedingungen angepasst werden muss.

Für Sie als Unternehmer bedeutet das konkret: Ein IKS aufbauen heißt, Prozesse sichtbar zu machen, Verantwortlichkeiten klar zu benennen und Kontrollen systematisch zu dokumentieren. Das schützt nicht nur vor Fehlern — es schützt auch Sie persönlich als Geschäftsführer.

Gesetzliche Grundlagen: Wer muss ein IKS aufbauen?

Hier muss ich eine wichtige Unterscheidung treffen, die in der Praxis oft durcheinandergebracht wird. Ein allgemeines, für jedes Unternehmen geltendes IKS-Gesetz existiert nicht. Stattdessen ergibt sich die Notwendigkeit aus einer Reihe verschiedener Vorschriften — und die Anforderungen steigen mit der Unternehmensgröße und der Rechtsform.

  • Börsennotierte Aktiengesellschaften. Für diese gilt seit dem 1. Juli 2021 durch das Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz (FISG) eine ausdrückliche gesetzliche Pflicht: § 91 Abs. 3 AktG verpflichtet den Vorstand, ein angemessenes und wirksames IKS sowie ein Risikomanagementsystem einzurichten. Hier besteht kein Ermessensspielraum mehr beim „Ob“ — nur noch beim „Wie“.
  • Nicht börsennotierte Aktiengesellschaften und größere GmbHs. Bereits seit 1999 gilt durch das KonTraG (§ 91 Abs. 2 AktG) die Pflicht zur Einrichtung eines Überwachungssystems. Für GmbHs gelten vergleichbare Anforderungen je nach Größe und Prüfungspflicht.
  • Kapitalmarktorientierte Unternehmen. Nach § 289 Abs. 5 HGB müssen sie die wesentlichen Merkmale ihres IKS bezogen auf den Rechnungslegungsprozess im Lagebericht beschreiben.
  • Alle buchführungspflichtigen Unternehmen. Die GoBD (Rz. 100) fordern ein internes Kontrollsystem für die ordnungsgemäße elektronische Buchführung. Kontrollen müssen eingerichtet, ausgeübt und protokolliert werden. Das trifft faktisch jeden, der digital bucht.

Dazu kommt ein steuerrechtlicher Aspekt, der für alle Unternehmen relevant ist: Der Anwendungserlass zu § 153 AO stellt klar, dass ein dokumentiertes innerbetriebliches Kontrollsystem ein Indiz sein kann, das gegen das Vorliegen von Vorsatz oder Leichtfertigkeit bei fehlerhaften Steuererklärungen spricht. Seit dem 1. Januar 2023 eröffnet Art. 97 § 38 EGAO sogar die Möglichkeit, bei einem nachgewiesenen Steuer-IKS Prüfungserleichterungen zu erhalten.

Weiterlesen:Mehr zu IKS-Anforderungen für verschiedene Unternehmensformen


Die vier Grundprinzipien beim IKS aufbauen

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Bevor Sie mit dem konkreten Aufbau beginnen, sollten Sie die vier Grundprinzipien kennen, die jedes funktionierende IKS tragen. Diese Prinzipien sind keine akademischen Konstrukte — sie bestimmen, welche Kontrollmaßnahmen Sie brauchen und warum.

  • Funktionstrennung. Ausführende, buchende und verwaltende Tätigkeiten dürfen nicht in einer einzigen Hand liegen. Wer eine Rechnung genehmigt, sollte sie nicht auch buchen und bezahlen. Dieses Prinzip verhindert Manipulationsmöglichkeiten — nicht weil Sie Ihren Mitarbeitern misstrauen, sondern weil klare Zuständigkeiten Fehler und Missbrauch strukturell erschweren.
  • Transparenzprinzip. Geschäftsprozesse müssen so dokumentiert sein, dass ein sachkundiger Dritter — zum Beispiel ein Wirtschaftsprüfer oder Betriebsprüfer — die Abläufe nachvollziehen kann. Das entspricht dem Geist des § 238 Abs. 1 HGB, wonach die Buchführung für einen sachkundigen Dritten nachvollziehbar sein muss.
  • Prinzip der Kontrollen. Den identifizierten Risiken werden konkrete Kontrollmaßnahmen gegenübergestellt — sowohl präventive (die Fehler verhindern) als auch detektive (die Fehler aufdecken). Manuelle Kontrollen wie Kontoabstimmungen und Vier-Augen-Prüfungen ergänzen dabei automatisierte Kontrollen wie Systemsperren oder Plausibilitätsprüfungen.
  • Mindestinformationsprinzip. Jeder Mitarbeiter erhält nur die Zugriffsrechte, die er für seine Arbeit tatsächlich benötigt. Ein Einkäufer braucht keine Personaldaten, ein Buchhalter keinen Zugang zu strategischen Vertriebsplanungen. Dieses Prinzip ist besonders im IT-Bereich bedeutsam.

Kernaussage: In der Praxis zeigt sich, dass viele Unternehmen diese Prinzipien bereits teilweise umsetzen — nur ohne es so zu nennen. IKS aufbauen bedeutet oft, vorhandene Strukturen zu systematisieren und zu dokumentieren, nicht bei null anzufangen.


IKS aufbauen: Die fünf praktischen Schritte

Kommen wir zum eigentlichen Kern: Wie gehen Sie konkret vor, wenn Sie ein IKS aufbauen wollen? Ich empfehle meinen Mandanten einen strukturierten Fünf-Schritte-Ansatz, der sich in der Praxis bewährt hat.

Schritt 1: Ist-Analyse — was haben Sie bereits?

Der erste und häufig unterschätzte Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme. Welche Prozesse laufen in Ihrem Unternehmen bereits geordnet ab? Wo gibt es schon Genehmigungsworkflows, Belegprüfungen oder Zugangsbeschränkungen? Oft existieren mehr Kontrollmechanismen, als auf den ersten Blick sichtbar sind — sie sind nur nicht dokumentiert und nicht aufeinander abgestimmt. Eine strukturierte Ist-Analyse gibt Ihnen Klarheit, welche Bereiche bereits gut aufgestellt sind und wo tatsächlich Handlungsbedarf besteht.

Schritt 2: Risikoidentifikation und -bewertung

Jedes Unternehmen trägt individuelle Risiken. Ein Handelsunternehmen mit Barzahlungen hat andere Schwachstellen als ein exportierender Maschinenbauer. Identifizieren Sie systematisch, welche Risiken in Ihren Kernprozessen lauern — finanzielle Risiken, operative Risiken, steuerliche Risiken und Reputationsrisiken. Bewerten Sie anschließend Eintrittswahrscheinlichkeit und mögliche Schadenshöhe. Dieser Schritt bildet die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen, denn Kontrollen ohne Risikogrundlage sind ineffizient und kostspielig.

Schritt 3: Kontrollmaßnahmen definieren und zuordnen

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Für jedes identifizierte Risiko wird mindestens eine Kontrollmaßnahme definiert. Dieses Zusammenspiel aus Risiko und Kontrolle wird häufig in einer sogenannten Risiko-Kontroll-Matrix festgehalten — einem übersichtlichen Dokument, das zeigt, welches Risiko durch welche Kontrolle gesteuert wird und wer dafür verantwortlich ist. Dabei gilt: Kontrollen müssen verhältnismäßig sein. Der Aufwand für eine Kontrollmaßnahme sollte in einem vernünftigen Verhältnis zum abgesicherten Risiko stehen.

Tipp: Trennen Sie bei der Kontrollzuordnung konsequent präventive von detektiven Kontrollen. Präventive Kontrollen verhindern Fehler, bevor sie entstehen — etwa durch Freigabeprozesse. Detektive Kontrollen decken Fehler auf, die bereits passiert sind — etwa durch monatliche Kontoabstimmungen.

Schritt 4: Dokumentation und Verfahrensdokumentation

Ohne Dokumentation existiert ein IKS für Außenstehende nicht. Das gilt besonders im steuerlichen Kontext: Die GoBD verlangen eine Verfahrensdokumentation, in der das IKS beschrieben ist. Hier wird festgehalten, wie Belege erfasst werden, welche Systeme im Einsatz sind, wer welche Zugriffsrechte hat und wie Kontrollen durchgeführt und protokolliert werden. Diese Dokumentation ist nicht nur für Betriebsprüfungen relevant — sie ist auch intern wertvolles Wissen, das bei Mitarbeiterwechseln Kontinuität sicherstellt.

Schritt 5: Laufende Überwachung und Anpassung

Ein IKS ist kein Projekt, das irgendwann abgeschlossen ist. Geschäftsmodelle ändern sich, neue Mitarbeiter kommen hinzu, IT-Systeme werden gewechselt — das IKS muss diese Entwicklungen begleiten. Regelmäßige Selbstprüfungen, Stichprobenkontrollen und — in größeren Unternehmen — die Einbindung einer internen Revision stellen sicher, dass das System lebt und nicht veraltet. Wer das IKS einmal aufgebaut hat und es dann nicht pflegt, verliert seinen Schutzwert.

Weiterlesen:Verfahrensdokumentation nach GoBD — was Unternehmen beachten müssen


Das steuerliche IKS: Besondere Bedeutung für Unternehmer

Neben dem allgemeinen IKS hat in den letzten Jahren das sogenannte Steuer-IKS — auch Tax Compliance Management System (Tax CMS) genannt — erheblich an Bedeutung gewonnen. Dahinter steckt ein konkreter steuerrechtlicher Vorteil: Wer ein dokumentiertes innerbetriebliches Kontrollsystem für steuerliche Prozesse vorweisen kann, verbessert seine Position gegenüber der Finanzverwaltung spürbar.

Der Anwendungserlass zu § 153 AO hält fest, dass ein solches System ein Indiz darstellen kann, das gegen Vorsatz oder Leichtfertigkeit bei fehlerhaften Steuererklärungen spricht. Das bedeutet für Sie als Unternehmer: Wenn ein Fehler in einer Steuererklärung auftaucht und Sie ein funktionierendes Steuer-IKS vorweisen können, ist die Wahrscheinlichkeit deutlich geringer, dass die Finanzverwaltung von einem strafrechtlich relevanten Verhalten ausgeht.

Seit dem 1. Januar 2023 gibt es zudem durch Art. 97 § 38 EGAO eine gesetzliche Grundlage für Prüfungserleichterungen auf Basis eines wirksamen Steuerkontrollsystems. Wer freiwillig mehr tut als gesetzlich geschuldet, kann davon profitieren. Das steuerliche IKS ist damit keine Pflicht — aber eine kluge Investition in Rechtssicherheit und ein entspannteres Verhältnis zur Finanzverwaltung.

Typische Bestandteile eines steuerlichen IKS sind unter anderem: Prüfprozesse für eingehende Rechnungen und Vorsteuerabzug, Zugriffsberechtigungskonzepte für buchhalterische Systeme, Abstimmungskontrollen bei der Dateneingabe und regelmäßige Plausibilitätsprüfungen der Umsatzsteuervoranmeldungen.


Häufige Fehler beim IKS aufbauen — und wie Sie sie vermeiden

Aus unserer Beratungspraxis kennen wir die typischen Stolperstellen. Der häufigste Fehler: Das IKS wird als einmaliges Projekt behandelt, das nach dem Abschluss ad acta gelegt wird. Damit verliert es seinen Wert. Ein zweiter klassischer Fehler ist die fehlende Einbindung der Mitarbeiter. Ein IKS, das von oben verordnet wird, ohne dass die Belegschaft versteht, wozu es dient, wird nicht gelebt — und ein nicht gelebtes IKS schützt vor nichts.

Auch die Verhältnismäßigkeit wird oft vernachlässigt. Unternehmen, die versuchen, für jeden denkbaren Risikopfad eine eigene Kontrolle zu installieren, erzeugen bürokratischen Aufwand, der die Effizienz lähmt. Ein gut konzipiertes IKS konzentriert sich auf die wesentlichen Risiken und setzt dort wirkungsvolle, handhabbare Kontrollen ein. Weniger, aber Wirksameres ist hier die bessere Strategie.

Schließlich: Kein IKS — egal wie gut konzipiert — kann absolute Sicherheit garantieren. Es bietet eine angemessene Sicherheit und reduziert Risiken auf ein akzeptables Maß. Das ist der Maßstab, an dem ein IKS gemessen werden sollte.

Das Three-Lines-of-Defence-Modell

In der internationalen Praxis hat sich das Three-Lines-of-Defence-Modell als bewährte Struktur für interne Kontrollsysteme etabliert. Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) greift dieses Modell ausdrücklich auf, und auch für mittelständische Unternehmen bietet es eine klare Orientierung bei der Organisation von Kontrollen.

Die erste Verteidigungslinie bilden die eigenverantwortlichen Kontrollen in den operativen Geschäftsbereichen selbst — etwa das Vier-Augen-Prinzip bei Zahlungsfreigaben oder tägliche Kassenabstimmungen. Die zweite Verteidigungslinie stellt eine übergeordnete Überwachungsfunktion dar: Hier prüfen beispielsweise die Buchhaltungsleitung oder ein Compliance-Beauftragter, ob die Regeln der ersten Ebene tatsächlich eingehalten werden. Die dritte Verteidigungslinie ist die interne Revision — eine vom operativen Geschäft unabhängige Prüfinstanz, die das Gesamtsystem regelmäßig auf Wirksamkeit und Schwachstellen untersucht.

Für kleinere Unternehmen muss das nicht bedeuten, eine eigene Revisionsabteilung aufzubauen. Entscheidend ist, dass die Kontrollfunktionen organisatorisch getrennt und klar zugeordnet sind. In unserer Beratungspraxis sehen wir: Schon eine bewusste Zuordnung von Verantwortlichkeiten nach diesem Dreistufenmodell verbessert die Kontrollqualität erheblich.


COSO-Rahmenwerk: Die fünf Komponenten eines IKS

Als international anerkannter Standard für die Gestaltung interner Kontrollsysteme gilt das COSO-Rahmenwerk (Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission). Wirtschaftsprüfer, Aufsichtsbehörden und Finanzverwaltungen erkennen dieses Modell gleichermaßen an. Es gliedert ein funktionierendes IKS in fünf miteinander verbundene Komponenten:

  • Kontrollumfeld. Die Grundlage des gesamten Systems: Welche Werte, welche Führungskultur und welche Verantwortungsstrukturen prägen Ihr Unternehmen? Ohne ein klares Bekenntnis der Geschäftsführung zu Integrität und Kontrolle bleibt jedes IKS wirkungslos.
  • Risikobeurteilung. Risiken müssen systematisch identifiziert, bewertet und priorisiert werden — erst dann lassen sich Kontrollen sinnvoll planen. Ein Handelsunternehmen mit Barzahlungsverkehr hat andere Schwachstellen als ein Dienstleister mit ausschließlich digitalen Prozessen.
  • Kontrollaktivitäten. Die konkreten Maßnahmen, die Risiken begegnen: Genehmigungsverfahren, Zugriffsberechtigungen, Plausibilitätsprüfungen und das Vier-Augen-Prinzip. Diese Aktivitäten müssen in die täglichen Abläufe integriert sein — nicht als Zusatzaufgabe daneben existieren.
  • Information und Kommunikation. Kontrollergebnisse müssen dokumentiert, weitergegeben und von allen Beteiligten verstanden werden. Jeder Mitarbeiter muss wissen, welche Regeln gelten und warum sie gelten.
  • Überwachung. Das IKS muss regelmäßig auf seine Wirksamkeit geprüft werden. Geschäftsmodelle ändern sich, neue Software wird eingeführt, Mitarbeiter wechseln — das Kontrollsystem muss diese Entwicklungen begleiten.

Für Sie als Unternehmer bedeutet das: Das COSO-Modell liefert Ihnen einen strukturierten Rahmen, an dem Sie Ihr eigenes IKS ausrichten können — unabhängig von Unternehmensgröße und Branche. Die konkrete Ausgestaltung bleibt dabei immer unternehmensindividuell.


Haftungsrisiken ohne IKS

Wer als Geschäftsführer oder Vorstand kein angemessenes internes Kontrollsystem vorhält, setzt sich erheblichen persönlichen Haftungsrisiken aus. Die Rechtsgrundlagen sind eindeutig: Bei der Aktiengesellschaft haftet der Vorstand nach § 93 AktG persönlich, wenn er seine Sorgfaltspflichten verletzt — und seit dem FISG vom 1. Juli 2021 gehört die Einrichtung eines wirksamen IKS ausdrücklich zu diesen Pflichten. Der Wirecard-Skandal hat gezeigt, welche Schäden ein versagendes Kontrollsystem verursachen kann, und war der unmittelbare Auslöser für diese Gesetzesverschärfung.

Für GmbH-Geschäftsführer gilt § 43 GmbHG: Die Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes schließt nach herrschender Meinung die Einrichtung angemessener Kontrollstrukturen ein. Darüber hinaus greift im Steuerrecht § 69 AO: Wer als gesetzlicher Vertreter steuerliche Pflichten nicht ordnungsgemäß erfüllt, haftet persönlich für dadurch verursachte Steuerausfälle — etwa bei verspäteten oder fehlerhaften Steuererklärungen, die ein funktionierendes IKS hätte verhindern können.

Die Bundessteuerberaterkammer hat ihren Handlungsleitfaden zur Einrichtung und Überwachung eines Steuer-IKS zuletzt im Juni 2024 grundlegend überarbeitet — ein deutliches Signal, wie ernst die Berufsstandsvertretung das Thema nimmt. Für Sie als Unternehmer bedeutet das: Ein fehlendes IKS ist nicht nur ein organisatorisches Defizit, sondern ein konkretes Haftungsrisiko, das Sie persönlich trifft.


IKS-Kosten und aktuelle GoBD-Anforderungen

Eine Frage, die Mandanten regelmäßig stellen: Was kostet ein IKS — und wie wirken sich diese Kosten steuerlich aus? Die Antwort ist erfreulich klar: Sämtliche Aufwendungen für den Aufbau und die laufende Pflege eines internen Kontrollsystems — ob externe Beratung, Softwarelizenzen oder Mitarbeiterschulungen — sind als Betriebsausgaben gemäß § 4 Abs. 4 EStG abziehbar und mindern damit Ihren steuerpflichtigen Gewinn. Ein IKS ist somit nicht nur eine Schutzmaßnahme, sondern auch eine steuerlich wirksame Investition in Ihre Unternehmensorganisation.

Beachten Sie zudem: Die GoBD wurden zuletzt im Juli 2025 durch ein BMF-Schreiben aktualisiert, insbesondere in Bezug auf die E-Rechnungspflicht und die Anforderungen an elektronische Aufbewahrungssysteme. Wenn Ihre Verfahrensdokumentation und Ihr IKS älter sind als dieses Update, empfehle ich Ihnen dringend eine Überprüfung — damit Ihr Kontrollsystem auch den aktuellen Anforderungen der Finanzverwaltung standhält.



Häufig gestellte Fragen

Ab welcher Unternehmensgröße ist ein IKS gesetzlich vorgeschrieben?

Eine allgemeine gesetzliche Pflicht für jedes Unternehmen gibt es nicht. Börsennotierte Aktiengesellschaften sind seit dem 1. Juli 2021 durch das FISG (§ 91 Abs. 3 AktG) ausdrücklich zur Einrichtung eines IKS verpflichtet. Für alle buchführungspflichtigen Unternehmen fordern die GoBD (Rz. 100) ein IKS für den Bereich der elektronischen Buchführung. Faktisch ist ein dokumentiertes IKS damit für einen Großteil der Unternehmen relevant — unabhängig von der formalen Pflicht.

Was kostet es, ein IKS aufzubauen?

Die Kosten hängen stark von der Unternehmensgröße, der vorhandenen Dokumentation und dem gewählten Ansatz ab. Kleinere Unternehmen können ein grundlegendes IKS mit Unterstützung eines Steuerberaters und bestehenden Softwarelösungen mit überschaubarem Aufwand aufbauen. Entscheidend ist, dass der Aufwand für die Kontrollmaßnahmen in einem vernünftigen Verhältnis zum abgesicherten Risiko steht. Eine Erstinvestition lohnt sich in der Regel, weil ein gut funktionierendes IKS spätere Kosten durch Fehler, Nachzahlungen oder Bußgelder deutlich reduziert.

Welche häufigen Fehler passieren beim Aufbau eines IKS?

Der verbreitetste Fehler ist, das IKS als einmaliges Projekt zu behandeln statt als dauerhaften Prozess. Daneben scheitern viele Systeme daran, dass Mitarbeiter nicht eingebunden werden und die Kontrollmaßnahmen deshalb im Alltag nicht gelebt werden. Ein weiterer typischer Fehler ist die Überregulierung: Zu viele Kontrollen für zu viele Risiken führen zu Bürokratie, die den Betrieb lähmt, ohne echten Schutz zu bieten.

Welchen Vorteil bringt ein Steuer-IKS bei einer Betriebsprüfung?

Nach dem Anwendungserlass zu § 153 AO kann ein dokumentiertes innerbetriebliches Kontrollsystem ein Indiz darstellen, das gegen das Vorliegen von Vorsatz oder Leichtfertigkeit bei fehlerhaften Steuererklärungen spricht. Das bedeutet: Wenn Fehler auftauchen, aber ein funktionierendes System zur Fehlervermeidung vorhanden war, wird die Finanzverwaltung den Sachverhalt in der Regel anders beurteilen als bei fehlendem Kontrollsystem. Seit dem 1. Januar 2023 bietet Art. 97 § 38 EGAO zudem die Grundlage für Prüfungserleichterungen bei nachgewiesenem Steuer-IKS.

Muss das IKS nach einem bestimmten Standard aufgebaut werden?

Es gibt keinen einzigen vorgeschriebenen Standard. International hat sich das COSO-Rahmenwerk als Orientierungsrahmen etabliert. Im steuerlichen Bereich gibt der IDW-Praxishinweis 1/2016 (IDW PS 980) Orientierung für ein Tax Compliance Management System. Die konkrete Ausgestaltung muss immer unternehmensindividuell erfolgen — ein IKS von der Stange gibt es nicht. Entscheidend ist, dass die gewählten Kontrollen angemessen, wirksam und dokumentiert sind.

Wie lange dauert es, ein IKS aufzubauen?

Der Zeitaufwand variiert erheblich. Für kleinere Unternehmen mit klaren Prozessen kann ein grundlegendes IKS in wenigen Wochen stehen, wenn die Ist-Analyse zügig abgeschlossen wird. In mittelständischen Unternehmen mit komplexeren Strukturen sollten Sie mit mehreren Monaten rechnen. Wichtiger als die Geschwindigkeit ist, dass das System von Anfang an praxistauglich ist und von den Beteiligten verstanden und getragen wird.


Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine steuerliche Beratung dar. Steuerliche Sachverhalte sind individuell verschieden. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Steuerberater. Trotz sorgfältiger Recherche übernehmen wir keine Gewähr für die Vollständigkeit und Aktualität der Angaben.

TABAK Steuerberatung
Augustaanlage 33, 68165 Mannheim
Inhaberin und Steuerberaterin: Fatma Tabak-Özkul

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