Stand: März 2026
Unter einer Vorratsgesellschaft versteht man eine Firma, die bereits fertig gegründet ist, aber noch nicht aktiv betrieben wird und keine eigene Geschäftstätigkeit aufweist. Spezialisierte Firmen, oftmals auch Kanzleien, gründen Unternehmen unterschiedlicher Gesellschaftsformen „auf Vorrat” und verkaufen diese dann weiter. Wer schnell unternehmerisch handeln möchte, ohne den langen Weg einer Neugründung zu gehen, findet hier eine interessante Option – mit klaren Vorteilen, aber auch Punkten, die eine sorgfältige Prüfung erfordern.
Was ist eine Vorratsgesellschaft – und wie funktioniert der Kauf?
Eine Vorratsgesellschaft ist dadurch gekennzeichnet, dass sie schon gegründet und ins Handelsregister eingetragen ist, aber keine Geschäfte betreibt. Notare, Kanzleien oder Firmen gründen sie auf Vorrat und verkaufen sie an Unternehmer weiter. Zweck des Ganzen ist, dass die Gesellschaft vom Erwerber sofort eingesetzt werden kann. Sie verfügt bereits über Steuernummer, Umsatzsteuer-ID sowie Stammkapital.
Vorratsgesellschaften sind keine eigene Rechtsform, sondern werden meist als UG, GmbH oder AG gegründet. Besonders häufig ist der Kauf einer GmbH, UG, aber auch AG, KG oder GmbH & Co. KG. Die Entscheidung für die passende Rechtsform sollte vor dem Kauf getroffen werden – und ist gleichzeitig eine der zentralen Fragen, die eine Steuerberaterin oder ein Steuerberater im Vorfeld begleiten kann.
Ablauf des Kaufs Schritt für Schritt
Zunächst erfolgt die Auswahl einer geeigneten und verfügbaren Vorratsgesellschaft bei einem vertrauenswürdigen Anbieter. Die ausgewählte Vorratsgesellschaft kann reserviert werden, damit ohne Hektik Zeit bleibt für die Erledigung der Formalitäten. Sobald die Reservierung erfolgt ist, erhält der potenzielle Übernehmer die zur Durchführung der Übernahme erforderlichen Dokumente in der Regel innerhalb von maximal einer Stunde.
- Anbieter auswählen und reservieren. Bei der Auswahl wichtig sind Renommee des Anbieters, Preis der Vorratsgesellschaft, Verfügbarkeit und die Frage, ob die jeweilige Vorratsgesellschaft eventuell bestehende besondere Anforderungen erfüllt.
- Kaufpreis überweisen. Sobald der Kaufpreis überwiesen wurde, wird ein Notartermin vereinbart. Der Notar wird dann alle eintragungspflichtigen Änderungen in das Handelsregister vornehmen und damit die Gesellschaft auf die neuen Anteilseigner übertragen.
- Notartermin wahrnehmen. Es folgt die Anpassung des Gesellschaftsvertrags, der Gesellschafter, des Unternehmensgegenstandes, die Änderung des Firmennamens usw. Schließlich ist ein Notartermin zur Beurkundung der Änderungen, insbesondere auch hinsichtlich des Handelsregister-Eintrags, wahrzunehmen.
- Transparenzregister aktualisieren. Die gekaufte Vorratsgesellschaft muss bereits im Transparenzregister eingetragen sein. Nun müssen diese Daten rechtzeitig geändert werden. Dies ist eine gesetzliche Pflicht, die sicherstellen soll, dass wirtschaftlich Berechtigte einer Gesellschaft transparent nachvollziehbar sind.
- Steuerberater einbinden. Spätestens jetzt empfiehlt sich die enge Zusammenarbeit mit einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater – etwa für die Beantragung der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer und die Anmeldung beim zuständigen Finanzamt.
Wichtiger Hinweis: Mit einer Vorratsgesellschaft steht die voll haftungsbeschränkte Gesellschaft bereits mit Unterschrift beim Notar voll zur Verfügung – ein wesentlicher Unterschied zur klassischen Neugründung, bei der die Haftungsbeschränkung erst mit der Handelsregistereintragung greift.

Vorteile und Nachteile beim Kauf einer Vorratsgesellschaft
Der wichtigste Grund, eine Vorratsgesellschaft zu kaufen, liegt auf der Hand: Zeitersparnis. Während die normale Gründung etwa sechs Wochen in Anspruch nimmt, verfügt der „Gründer” einer Vorratsgesellschaft im Optimalfall noch am selben Tag über eine voll funktionsfähige, voll haftungsbeschränkte Gesellschaft. Gerade wenn Ausschreibungsfristen, Vertragsabschlüsse oder ein schneller Markteintritt auf dem Spiel stehen, kann dieser Zeitvorteil entscheidend sein.
Da die Vorratsgesellschaft vorher noch nie geschäftlich aktiv war, gibt es keine Schulden, Verbindlichkeiten usw. Das unterscheidet sie klar von der Mantelgesellschaft: Während Sie sich bei der Vorratsgesellschaft sicher sein können, dass diese noch nie geschäftlich tätig war, haben Mantelgesellschaften in der Vergangenheit aktiv Geschäfte geführt, diese operative Tätigkeit aber inzwischen eingestellt. Bei Mantelgesellschaften können deshalb noch Schulden und Verbindlichkeiten bestehen, Steuerverfahren laufen usw.
Gesetzlich erhalten Sie durch den Kauf einer Vorratsgesellschaft keine Nachteile: Der Gesetzgeber sieht Vorratsgesellschaften, die eingekauft wurden, als Neugründung an. Dadurch verlieren Sie nicht die Möglichkeit, sich Fördermittel oder Kredite zu sichern. Das ist besonders für Gründerinnen und Gründer relevant, die öffentliche Förderungen nutzen möchten.
Was kostet eine Vorratsgesellschaft?
Der Kaufpreis der Vorrats-GmbH setzt sich aus dem vollständig eingezahlten Stammkapital der Gesellschaft und den Kosten für die Gründung und Verwaltung zusammen. Bei Vorratsgesellschaften fallen neben den Anmelde- und Notargebühren sowie dem Stammkapital lediglich Servicepauschalen an, die in der Regel zwischen 1.500 und 2.500 Euro liegen. Andere Quellen nennen Aufpreise von bis zu 4.000 Euro – je nach Rechtsform und Anbieter.
Eine Vorrats-GmbH erhält man bereits ab rund 27.500 Euro. Die Stammeinlage von 25.000 Euro ist im Kaufpreis enthalten. Mit Erwerb der Vorratsgesellschaft geht auch das Stammkapital in die Hände des Erwerbers über. Das bedeutet, dass eine wirtschaftliche Belastung nicht in Höhe des gesamten Kaufpreises eintritt, sondern nur insoweit, als der Kaufpreis das Stammkapital überschreitet.
Wichtiger Hinweis: Auf keinen Fall sollte eine Vorratsgesellschaft über unseriöse Quellen bezogen werden. eBay ist beispielsweise an dieser Stelle nicht die richtige Adresse. Und wenn der Aufpreis sehr niedrig ist, ist ebenfalls Vorsicht geboten. Eine Prüfung durch einen Rechtsanwalt oder Steuerberater vor dem Kauf ist in jedem Fall empfehlenswert.
Der entscheidende Nachteil: höhere Kosten
Der wohl größte Nachteil bei der Übernahme einer Vorratsgesellschaft ist der Kaufpreis. Für den Kauf zahlen Sie eine Gebühr an die verkaufende Agentur oder Kanzlei. Eine Vorratsgesellschaft zu übernehmen ist deshalb oft teurer als die normale Unternehmensgründung. Wer Zeit gegen Geld tauscht, trifft bei einer Vorratsgesellschaft eine bewusste Entscheidung – ob sie sich lohnt, hängt stark vom individuellen Geschäftsmodell und der Dringlichkeit ab.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Nicht jede Vorratsgesellschaft ist gleich. Der Kauf einer Vorratsgesellschaft mit Sitz in einem anderen Bundesland hat einen entscheidenden Nachteil: Da andere Gewerbeämter zuständig sind, steigt der bürokratische Aufwand – und der Gründungsprozess dauert deutlich länger, ist im Vergleich zur Neugründung meist nicht schneller abgeschlossen. Eine Prüfung im Einzelfall, ob der Firmensitz zum eigenen Standort passt, ist daher sinnvoll.
Steuerlich gilt: Nach dem Kauf wird die Vorratsgesellschaft beim zuständigen Finanzamt mit einer Steuernummer ausgestattet und ist dann ebenfalls steuerpflichtig. Erst dann kann sie wirtschaftliche Aktivitäten aufnehmen. Hinzu kommt, dass eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer nur für wirtschaftlich aktive Gesellschaften vergeben wird. Dies ist bei der Vorratsgesellschaft bis zum Verkauf ausgeschlossen. Sprechen Sie hierzu frühzeitig mit Ihrer Steuerberaterin oder Ihrem Steuerberater.
- Vollständig eingezahltes Stammkapital prüfen. Die Vollständigkeit des Stammkapitals wird verbindlich zugesagt und beim Notartermin durch den aktuellen Kontoauszug des Bankkontos nachgewiesen.
- Seriösen Anbieter wählen. Mantelgesellschaften werden manchmal auch von unseriösen Unternehmen zum Kauf angeboten, mitunter sogar fälschlich als Vorratsgesellschaften angepriesen. Erkennbar sind zweifelhafte Angebote z. B. an einem ungewöhnlich niedrigen Kaufpreis, der nicht einmal das Stammkapital deckt.
- Bundesland beachten. Wenn Sie den Sitz der Vorratsgesellschaft mit dem Kauf von einem Bundesland in ein anderes verlagern möchten, steigt der bürokratische Aufwand wieder. Der zeitliche Vorteil ist dann schnell wieder verspielt. Kaufen Sie also idealerweise eine Vorratsgesellschaft, die bereits in Ihrem Bundesland angemeldet ist.
- Steuerliche und rechtliche Beratung einholen. Eine Vorratsgesellschaft bringt als GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) steuerliche Pflichten mit sich, die von Beginn an korrekt gehandhabt werden sollten. Eine Abstimmung mit dem Steuerberater vor dem Notartermin kann sich lohnen.
Tipp: Die Übernahme einer Vorratsgesellschaft gilt rechtlich als wirtschaftliche Neugründung. Das Registergericht prüft dabei die Erfüllung der Stammeinlagepflichten. Eine frühzeitige Einbindung eines Notars und eines Steuerberaters erleichtert diesen Prozess erheblich.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer Vorratsgesellschaft und einer Mantelgesellschaft?
Eine Vorratsgesellschaft wurde gegründet, aber noch nicht genutzt – sie ist schnell verfügbar und ohne Altlasten. Eine Mantelgesellschaft war früher aktiv, wurde stillgelegt und kann Risiken aus früheren Geschäften mitbringen. Für Gründerinnen und Gründer, die auf Nummer sicher gehen möchten, gilt die Vorratsgesellschaft daher in der Regel als die sicherere Wahl.
Wie lange dauert der Kauf einer Vorratsgesellschaft?
Der Kauf einer Vorratsgesellschaft ist unkompliziert und ist, je nach Anbieter und Verfügbarkeit eines Notartermins, oft binnen 48 Stunden abgeschlossen. Ist der Firmensitz der Vorratsgesellschaft im gleichen Bundesland, kann der Kauf bereits in 24 Stunden vertragsfähig sein.
Kann ich nach dem Kauf Fördermittel beantragen?
Die Übernahme einer Vorratsgesellschaft wird vom Gesetzgeber gleich einer Neugründung behandelt. Somit können Sie sich Fördermittel oder Gründerkredite zunutze machen. Eine Prüfung der konkreten Förderprogramme im Einzelfall ist empfehlenswert – sprechen Sie hierzu mit Ihrer Steuerberaterin oder Ihrem Steuerberater.
Welche Steuerpflichten entstehen nach dem Kauf einer Vorratsgesellschaft?
Als GmbH unterliegt die übernommene Gesellschaft der Körperschaftsteuer (15 %) zuzüglich Solidaritätszuschlag sowie der Gewerbesteuer, deren Höhe vom kommunalen Hebesatz abhängt. Kapitalgesellschaften haben keinen Gewerbesteuer-Freibetrag und sind zur doppelten Buchführung verpflichtet. Die deutsche Steuernummer liegt bei Veräußerung bereits vor und kann sofort genutzt werden, andernfalls wird die Steuernummer umgehend nachgereicht. Eine individuelle steuerliche Beratung ist in jedem Fall empfehlenswert.
Was kostet eine Vorrats-GmbH ungefähr?
Eine Vorrats-GmbH erhält man bereits ab rund 27.500 Euro. Die Stammeinlage von 25.000 Euro ist im Kaufpreis enthalten. Hinzu kommen die Notar- und Gerichtskosten der Übertragung, die der Käufer trägt. Die tatsächliche wirtschaftliche Belastung entspricht dabei nur dem Aufpreis über das Stammkapital hinaus, da das Stammkapital nach der Übernahme der Gesellschaft zur Verfügung steht.
Ist eine Vorratsgesellschaft auch für große Unternehmen interessant?
Interessant sind Vorratsgesellschaften auch für große Konzerne. Sie nutzen Vorratsgesellschaften kurzfristig als rechtlich und wirtschaftlich eigenständige Tochtergesellschaften für spezielle Projekte. Ob dieses Modell im konkreten Fall sinnvoll ist, hängt von der Unternehmensstruktur und den steuerlichen Gegebenheiten ab – eine Prüfung im Einzelfall ist empfehlenswert.
Stand: März 2026
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine steuerliche oder rechtliche Beratung dar. Steuerliche und rechtliche Sachverhalte sind individuell verschieden. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Steuerberater oder Rechtsanwalt. Trotz sorgfältiger Recherche übernehmen wir keine Gewähr für die Vollständigkeit und Aktualität der Angaben.
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