Steuer-Glossar · G

Grunderwerbsteuer einfach erklärt.

Die Grunderwerbsteuer fällt bei fast jedem Immobilienkauf an — zwischen 3,5 und 6,5 Prozent des Kaufpreises, je nach Bundesland. Bei einer Gewerbeimmobilie für 750.000 Euro liegen zwischen Bayern und NRW über 22.000 Euro Unterschied. Wer die Regeln kennt, kauft klug.

← Alle Begriffe im Steuer-Glossar

Das Wichtigste in Kürze

  • Steuersatz je nach Bundesland 3,5 % (Bayern) bis 6,5 % (u. a. NRW, Brandenburg, Saarland, Schleswig-Holstein); Baden-Württemberg 5,0 %, Hessen 6,0 %.
  • Bemessungsgrundlage ist der Kaufpreis samt übernommener Leistungen — bewegliches Inventar gehört nicht dazu und kann herausgerechnet werden.
  • Erst nach Zahlung stellt das Finanzamt die Unbedenklichkeitsbescheinigung aus — ohne sie keine Eigentumsumschreibung im Grundbuch.
  • Steuerfrei sind u. a. Erwerbe unter Ehegatten, zwischen Eltern und Kindern sowie Erbschaften und Schenkungen (dort greift ggf. die Schenkung-/Erbschaftsteuer).
  • Bei Share Deals fällt die Steuer an, wenn mindestens 90 % der Anteile einer grundbesitzenden Gesellschaft binnen zehn Jahren den Eigentümer wechseln.
Immobilienkauf oder Umstrukturierung mit Grundbesitz geplant?
Antwort binnen 120 Minutenkostenlosunverbindlich
01Grundlagen

Wann die Steuer anfällt — und wann nicht.

Besteuert wird der Rechtsträgerwechsel an inländischen Grundstücken (§ 1 GrEStG): klassisch der notarielle Kaufvertrag, aber auch Tausch, Zwangsversteigerung oder die Einbringung einer Immobilie in eine Gesellschaft. Schuldner sind Käufer und Verkäufer gemeinsam — im Kaufvertrag übernimmt sie praktisch immer der Käufer.

Der Ablauf: Der Notar meldet den Vertrag ans Finanzamt, der Bescheid kommt, nach Zahlung folgt die Unbedenklichkeitsbescheinigung — erst dann trägt das Grundbuchamt den neuen Eigentümer ein. Die Steuer ist damit faktisch eine Voraussetzung des Eigentumserwerbs.

Befreit sind vor allem Erwerbe im engsten Familienkreis (Ehegatten, Verwandte in gerader Linie), Erbschaften und Schenkungen sowie Bagatellfälle bis 2.500 Euro. Und: Bei Umstrukturierungen im Konzern kann § 6a GrEStG den Vorgang steuerfrei stellen — eine der wichtigsten, aber formal anspruchsvollsten Vergünstigungen für Unternehmensgruppen.

02Gestaltung

Wo sich legal sparen lässt — und wo die Falle zuschnappt.

Inventar herausrechnen: Einbauküche, Markisen, Betriebsvorrichtungen — was beweglich ist oder als Betriebsvorrichtung gilt, unterliegt nicht der Grunderwerbsteuer. Ein sauber aufgeteilter Kaufpreis spart bei 6,5 % schnell vierstellig; die Aufteilung muss aber realistisch und belegbar sein.

Instandhaltungsrücklage: Beim Kauf von Eigentumswohnungen gehört die übernommene Rücklage nach aktueller Rechtsprechung zur Bemessungsgrundlage — hier lohnt der genaue Blick in den Vertrag.

Share Deals: Wer statt der Immobilie die Gesellschaft kauft, löst keine Grunderwerbsteuer aus, solange binnen zehn Jahren weniger als 90 % der Anteile übergehen (§§ 1 Abs. 2a/2b GrEStG). Das ist legales Terrain für große Strukturen — aber streng überwacht, mit Anzeigepflichten und harten Sanktionen bei Fehlern. Ohne Beratung geht hier nichts.

Rechenbeispiel: Gewerbeimmobilie für 750.000 €
  • Bayern (3,5 %)26.250 €
  • Baden-Württemberg (5,0 %)37.500 €
  • Hessen (6,0 %)45.000 €
  • NRW (6,5 %)48.750 €
  • Spanne Bayern ↔ NRW22.500 €
Sätze Stand 2026. Thüringen hat 2024 auf 5,0 % gesenkt, Bremen im Juli 2025 auf 5,5 % erhöht — vor jedem Kauf aktuellen Satz prüfen.
03Häufige Fragen

Grunderwerbsteuer — kurz beantwortet.

Wer zahlt die Grunderwerbsteuer — Käufer oder Verkäufer?
Gesetzlich haften beide als Gesamtschuldner. Im Kaufvertrag wird die Zahlung praktisch immer dem Käufer auferlegt — das Finanzamt hält sich aber an den Verkäufer, wenn der Käufer nicht zahlt.
Ist die Grunderwerbsteuer steuerlich absetzbar?
Bei vermieteten oder betrieblichen Immobilien ja — als Anschaffungsnebenkosten erhöht sie die Abschreibungsbemessungsgrundlage des Gebäudes und wirkt so über die Nutzungsdauer verteilt. Beim Eigenheim ist sie privat und nicht absetzbar.
Fällt beim Erbe oder bei der Schenkung Grunderwerbsteuer an?
Nein — Erwerbe von Todes wegen und Schenkungen sind grunderwerbsteuerfrei (§ 3 GrEStG). Dafür kann Erbschaft- oder Schenkungsteuer anfallen; die beiden Steuern schließen sich gegenseitig aus.
Kann ich die Küche aus dem Kaufpreis herausrechnen?
Ja — bewegliches Inventar unterliegt nicht der Grunderwerbsteuer, wenn es im Vertrag gesondert und mit realistischem Wert ausgewiesen ist. Bei überzogenen Werten drohen Rückfragen des Finanzamts und Probleme mit der finanzierenden Bank.
Was gilt bei der Einbringung einer Immobilie in eine GmbH?
Grundsätzlich fällt Grunderwerbsteuer an — die Übertragung auf eine Gesellschaft ist ein Rechtsträgerwechsel. Bei Umstrukturierungen im Konzern kann § 6a GrEStG befreien; bei Personengesellschaften gelten anteilige Befreiungen. Der Weg entscheidet über fünfstellige Beträge — vorher rechnen!

Immobilie kaufen, einbringen oder umstrukturieren? Wir rechnen die grunderwerbsteuerlich beste Route — Erstgespräch kostenlos.

04Weiterlesen

Verwandte Begriffe & vertiefende Artikel.

Körperschaftsteuer
Zum Begriff →
Spekulationssteuer Immobilien
Zum Artikel →
Vermögensverwaltende GmbH
Zum Artikel →
Vermögens- & Nachfolgeplanung
Zur Leistung →
Alle Begriffe
Zum Glossar →