Steuer-Glossar · E

Einnahmenüberschussrechnung einfach erklärt.

Die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR, § 4 Abs. 3 EStG) ist die einfachste Form der Gewinnermittlung: Betriebseinnahmen minus Betriebsausgaben, ohne Bilanz und ohne Inventur. Freiberufler dürfen sie immer nutzen — Gewerbetreibende bis 800.000 Euro Umsatz oder 80.000 Euro Gewinn.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Prinzip: Zufluss und Abfluss — gebucht wird, wenn Geld tatsächlich fließt, nicht wenn die Rechnung geschrieben wird.
  • Freiberufler dürfen die EÜR unabhängig von der Höhe ihrer Umsätze nutzen — auch mit Millionenumsatz.
  • Gewerbetreibende: EÜR erlaubt bis 800.000 Euro Umsatz und 80.000 Euro Gewinn (§ 141 AO; Grenzen seit 2024). Die Bilanzpflicht beginnt erst nach förmlicher Aufforderung durch das Finanzamt.
  • Abgabe elektronisch mit der Anlage EÜR zur Steuererklärung.
  • Ausnahme vom Zuflussprinzip: die 10-Tage-Regel für regelmäßige Zahlungen rund um den Jahreswechsel (z. B. Dezember-Miete, USt-Vorauszahlung).
EÜR oder Bilanz — was passt zu Ihrem Unternehmen?
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01Funktionsweise

Zufluss, Abfluss und die Ausnahmen, die darüber entscheiden, in welchem Jahr Sie Steuern zahlen.

Die EÜR kennt keine Forderungen und keine Verbindlichkeiten: Eine Rechnung, die im Dezember gestellt, aber erst im Januar bezahlt wird, ist Einnahme des neuen Jahres. Das macht die Gewinnermittlung einfach — und schafft legalen Gestaltungsspielraum zum Jahresende: Wer Zahlungen vorzieht oder Rechnungen später stellt, verschiebt Gewinn zwischen den Jahren.

Drei Ausnahmen durchbrechen das Prinzip: Die 10-Tage-Regel ordnet regelmäßig wiederkehrende Zahlungen (Miete, Versicherungen, USt-Vorauszahlungen), die binnen zehn Tagen um den Jahreswechsel fließen, dem Jahr ihrer wirtschaftlichen Zugehörigkeit zu. Anlagevermögen wird nicht beim Kauf abgezogen, sondern über die Nutzungsdauer abgeschrieben — wie bei Bilanzierern. Und Darlehen sind weder Einnahme noch Ausgabe; nur die Zinsen zählen.

Auch ohne Bilanz gilt: Belege sammeln, Geschäftsvorfälle nachvollziehbar aufzeichnen, GoBD einhalten. Die EÜR ist eine vereinfachte Gewinnermittlung — kein Freibrief für formlose Buchführung.

02Abgrenzung

EÜR oder Bilanz — und was der Wechsel bedeutet.

  • EÜR-Vorteile: geringerer Aufwand und geringere Kosten, keine Inventur, keine Rückstellungen nötig, Steuerstundung durch das Zuflussprinzip (versteuert wird erst, was bezahlt ist).
  • Bilanz-Vorteile: aussagekräftiger für Banken und Investoren, Rückstellungen und Teilwertabschreibungen als Gestaltungsinstrumente, sauberes Bild von Forderungen und Verbindlichkeiten.
  • Pflicht zur Bilanz entsteht für Gewerbetreibende oberhalb von 800.000 Euro Umsatz oder 80.000 Euro Gewinn — aber erst, nachdem das Finanzamt förmlich dazu auffordert (§ 141 Abs. 2 AO). Kapitalgesellschaften wie GmbH und UG bilanzieren immer, unabhängig von jeder Grenze. Im Handelsregister eingetragene Kaufleute ebenfalls, mit Befreiung nach § 241a HGB unterhalb der Grenzen.
  • Der Wechsel von der EÜR zur Bilanz (und zurück) erzwingt eine Überleitungsrechnung: Forderungen, Verbindlichkeiten und Bestände werden einmalig erfasst — daraus entsteht ein Übergangsgewinn oder -verlust, der sich auf Antrag auf bis zu drei Jahre verteilen lässt. Den Zeitpunkt sollte man wählen, nicht erleiden.
03Häufige Fragen

Einnahmenüberschussrechnung — kurz beantwortet.

Wer darf eine EÜR machen?
Freiberufler immer — ohne Umsatz- oder Gewinngrenze. Gewerbetreibende, solange sie nicht im Handelsregister eingetragen sind und unter 800.000 Euro Umsatz sowie 80.000 Euro Gewinn bleiben. Kapitalgesellschaften müssen immer bilanzieren.
Was ist die 10-Tage-Regel?
Regelmäßig wiederkehrende Zahlungen, die innerhalb von zehn Tagen vor oder nach dem Jahreswechsel fließen, gehören steuerlich in das Jahr, zu dem sie wirtschaftlich gehören. Klassiker: die Umsatzsteuer-Vorauszahlung für Dezember, die am 10. Januar abgebucht wird — sie zählt noch ins alte Jahr.
Muss ich sofort bilanzieren, wenn ich die Grenzen überschreite?
Nein — die Pflicht beginnt erst mit dem Wirtschaftsjahr, das auf eine förmliche Mitteilung des Finanzamts folgt. Wer die Grenzen einmalig reißt und plausibel machen kann, dass es ein Ausreißer war, kann sogar eine Befreiung beantragen.
Kann ich mit der EÜR Steuern gestalten?
Ja — das Zufluss-/Abflussprinzip macht den Zahlungszeitpunkt zum Instrument: Ausgaben ins alte Jahr vorziehen, Einnahmen ins neue verschieben (oder umgekehrt, je nach Steuersatzentwicklung). Zusammen mit Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibungen ergibt das ein wirksames Jahresend-Instrumentarium.
Brauche ich für die EÜR einen Steuerberater?
Pflicht ist er nicht. Sinnvoll wird er, sobald Umsatzsteuer, Personal, größere Investitionen oder die Frage EÜR vs. Bilanz ins Spiel kommen — spätestens beim Übergangsgewinn kostet ein Fehler mehr als Jahre an Honorar.

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