Steuer-Glossar · V

Verdeckte Gewinnausschüttung einfach erklärt.

Die verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) ist der häufigste Streitpunkt jeder GmbH-Betriebsprüfung: Immer wenn die Gesellschaft ihrem Gesellschafter einen Vorteil zuwendet, den ein fremder Dritter nie bekommen hätte, korrigiert das Finanzamt — doppelt und rückwirkend. Wer die Muster kennt, kann sie vermeiden.

← Alle Begriffe im Steuer-Glossar

Das Wichtigste in Kürze

  • Definition (§ 8 Abs. 3 S. 2 KStG): eine Vermögensminderung der GmbH, veranlasst durch das Gesellschaftsverhältnis, außerhalb der offenen Gewinnverteilung.
  • Maßstab ist der Fremdvergleich: Hätte ein ordentlicher Geschäftsführer das einem fremden Dritten auch gewährt?
  • Klassiker: überhöhtes Geschäftsführergehalt, zinslose Darlehen, private Kosten auf Firmenrechnung, unentgeltliche Pkw-Nutzung, Miet- und Beraterverträge ohne Substanz.
  • Doppelte Folge: Bei der GmbH wird der Gewinn außerbilanziell erhöht (KSt + GewSt), beim Gesellschafter gilt der Vorteil als Kapitalertrag (Abgeltungsteuer/Teileinkünfte).
  • Bei beherrschenden Gesellschaftern gilt zusätzlich das Rückwirkungsverbot: Vereinbarungen müssen vorab, klar und zivilrechtlich wirksam getroffen sein — und tatsächlich durchgeführt werden.
Geschäftsführervertrag und Leistungsbeziehungen vGA-fest?
Antwort binnen 120 Minutenkostenlosunverbindlich
01Mechanik

Warum die vGA doppelt weh tut.

Die vGA ist keine Strafe, sondern eine Korrektur: Das Finanzamt stellt den Zustand her, der bei fremdüblichem Verhalten bestanden hätte. Zahlt die GmbH ihrem Gesellschafter-Geschäftsführer 300.000 Euro, obwohl fremdüblich 200.000 wären, sind 100.000 Euro vGA: Sie werden dem GmbH-Gewinn außerbilanziell hinzugerechnet (rund 30 % Körperschaft- und Gewerbesteuer nach) und gelten beim Gesellschafter als Dividende — nicht mehr als Arbeitslohn.

Das Ergebnis ist die gefürchtete Doppelbelastung samt Zinsen, oft für drei geprüfte Jahre auf einmal. Immerhin: Die zu viel gezahlte Lohnsteuer wird gegengerechnet, und die Dividendenbesteuerung ist günstiger als der Spitzensteuersatz — trotzdem bleibt regelmäßig ein sechsstelliger Schaden, der mit sauberen Verträgen vermeidbar gewesen wäre.

Beim beherrschenden Gesellschafter (> 50 % oder gleichgerichtete Interessen) reicht für die vGA schon ein formaler Fehler: rückwirkende Gehaltserhöhung, fehlender schriftlicher Vertrag, Sonderzahlung ohne vorherigen Beschluss — selbst wenn die Höhe angemessen wäre. Form schlägt hier Inhalt.

02Prävention

vGA-Schutz ist Vertragspflege: die fünf Regeln.

1. Alles Schriftliche vorab: Anstellungsvertrag, Tantieme, Pension, Darlehen, Miete — vor Beginn der Leistung, mit Gesellschafterbeschluss, zivilrechtlich wirksam (Selbstkontrahieren nach § 181 BGB befreien!).

2. Fremdüblich bemessen: Gehalt an Gehaltsstrukturuntersuchungen orientieren, Gesamtausstattung im Blick (Festgehalt + Tantieme + Pension + Pkw). Tantiemen über 50 % des Gewinns und Nur-Tantieme-Modelle sind rote Tücher.

3. Wie vereinbart durchführen: Der beste Vertrag ist wertlos, wenn Gehalt unregelmäßig fließt, Darlehen nie getilgt oder Zinsen nie gebucht werden.

4. Marktkonditionen dokumentieren: Bei Miet-, Darlehens- und Leistungsbeziehungen Vergleichsangebote oder Marktdaten ablegen — die Beweisvorsorge von heute ist das Prüfungsargument von morgen.

5. Jährlich nachjustieren: Gewinnentwicklung, Gehaltsstudien, Zinsniveau ändern sich — Verträge, die zehn Jahre niemand angefasst hat, sind ein Prüfungsrisiko. Das Beispiel rechts zeigt, was eine unbehandelte vGA kostet.

vGA-Schaden: 50.000 € überhöhtes Gehalt, 3 Prüfungsjahre
  • Mehrsteuer GmbH (~30 % × 150.000)≈ 45.000 €
  • KapESt auf vGA beim Gesellschafter (saldiert mit LSt-Korrektur)individuell
  • Nachzahlungszinsen (1,8 % p. a.)≈ 3.000–5.000 €
  • Typischer Gesamtschadenfünf- bis sechsstellig
Vereinfacht. Der gleiche Betrag als offene Ausschüttung oder fremdübliches Gehalt hätte keinerlei Mehrbelastung ausgelöst.
03Häufige Fragen

Verdeckte Gewinnausschüttung — kurz beantwortet.

Welches Geschäftsführergehalt ist „angemessen“?
Maßstab sind Branche, Umsatz, Ertragslage und Gehaltsstrukturuntersuchungen — als Bandbreite, nicht als Punktwert. Faustregeln der Rechtsprechung: Die Gesamtausstattung sollte der GmbH einen angemessenen Gewinn lassen; bei mehreren Geschäftsführern wird gekürzt. Eine dokumentierte Herleitung schützt besser als jede Pauschale.
Ist ein Darlehen der GmbH an mich automatisch eine vGA?
Nein — aber nur mit schriftlichem Vertrag, marktüblichem Zins, Tilgungsplan und gelebter Durchführung. Ein „stehen gelassenes“ Verrechnungskonto, das immer weiter anwächst, werten Prüfer dagegen regelmäßig als vGA — spätestens wenn Rückzahlung unrealistisch wird.
Kann eine vGA rückgängig gemacht werden?
Praktisch nein — die Rückzahlung des Vorteils beseitigt die vGA nicht, sie gilt steuerlich als Einlage. Deshalb ist Prävention alles: Verträge vorab, fremdüblich, durchgeführt. Nach der Feststellung lässt sich nur noch über Höhe und Bewertung verhandeln.
Trifft die vGA auch die UG oder die GmbH & Co. KG?
Die UG voll — sie ist eine GmbH. Bei der GmbH & Co. KG kann die Komplementär-GmbH vGA-Themen haben (z. B. unzureichende Haftungsvergütung); bei der KG selbst greifen stattdessen Entnahme- und Sondervergütungsregeln.
Wie hängen vGA und Betriebsprüfung zusammen?
Die vGA ist das Standard-Prüffeld bei jeder Kapitalgesellschaft: Geschäftsführerbezüge, Verrechnungskonten, Pkw, Miet- und Beraterverträge werden systematisch auf Fremdüblichkeit abgeklopft. Wer die Verträge jährlich pflegt und dokumentiert, nimmt dem Prüfer sein ergiebigstes Feld.

Verträge vorab, fremdüblich, gelebt: Wir machen Ihre Gesellschafter-Beziehungen vGA-fest — Erstgespräch kostenlos.

04Weiterlesen

Verwandte Begriffe & vertiefende Inhalte.

Körperschaftsteuer
Zum Begriff →
Kapitalertragsteuer
Zum Begriff →
Betriebsprüfung
Zum Begriff →
Lohnsteuer
Zum Begriff →
Begleitung bei Betriebsprüfungen
Zur Leistung →
Alle Begriffe
Zum Glossar →