Steuer-Glossar · I

Investitionsabzugsbetrag einfach erklärt.

Der Investitionsabzugsbetrag (IAB, § 7g EStG) holt die Steuerersparnis einer Investition in die Gegenwart: Bis zu 50 Prozent der geplanten Anschaffungskosten mindern den Gewinn schon vor dem Kauf — bis zu drei Jahre im Voraus. Kaum ein Instrument verbessert die Finanzierung des Mittelstands so direkt.

← Alle Begriffe im Steuer-Glossar

Das Wichtigste in Kürze

  • 50 % der geplanten Anschaffungskosten beweglicher Wirtschaftsgüter vorab gewinnmindernd abziehbar — max. 200.000 Euro je Betrieb.
  • Voraussetzung: Gewinn max. 200.000 Euro im Abzugsjahr (einheitliche Grenze für Bilanzierer und EÜR).
  • Investitionsfrist: drei Jahre; das Wirtschaftsgut muss fast ausschließlich (≥ 90 %) betrieblich genutzt werden — im Jahr des Kaufs und im Folgejahr.
  • On top: 40 % Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG im Jahr der Anschaffung und den vier Folgejahren — kombinierbar mit IAB und degressiver AfA.
  • Wird nicht investiert, löst das Finanzamt den IAB rückwirkend auf — samt Verzinsung der Steuernachzahlung.
Investition geplant? Der IAB finanziert sie steuerlich vor.
Antwort binnen 120 Minutenkostenlosunverbindlich
01Funktionsweise

Steuern sparen für Maschinen, die noch gar nicht bestellt sind.

Der IAB ist ein außerbilanzieller Abzug: Sie melden in der Steuererklärung, dass Sie binnen drei Jahren bewegliche Wirtschaftsgüter anschaffen wollen — Maschinen, Fahrzeuge, IT, Betriebsausstattung, auch gebrauchte. Bis zu 50 % der voraussichtlichen Kosten mindern sofort den Gewinn. Ein konkreter Investitionsplan oder eine Bestellung ist nicht erforderlich; die Angabe erfolgt elektronisch mit der Erklärung.

Im Jahr der Anschaffung wird der IAB dem Gewinn wieder hinzugerechnet und in gleicher Höhe von den Anschaffungskosten abgezogen — die Abschreibungsbasis sinkt entsprechend. Unterm Strich ist der IAB also eine zinslose Steuerstundung: Die Ersparnis kommt Jahre früher, die spätere AfA fällt dafür kleiner aus. Genau dieses Vorziehen schafft Eigenkapital für die Finanzierung — die Bank sieht es gern.

Die Kombination macht den Turbo: IAB (50 % vorab) + 40 % Sonder-AfA + degressive AfA (30 % bis Ende 2027) können zusammen dazu führen, dass eine Investition steuerlich fast vollständig in die ersten ein, zwei Jahre fällt — das Beispiel rechts zeigt die Wirkung.

02Risiken & Timing

Wo der IAB nach hinten losgeht.

Nicht investiert = rückwirkend aufgelöst: Läuft die Drei-Jahres-Frist ab, ändert das Finanzamt den ursprünglichen Bescheid — die Steuer kommt zurück, verzinst mit 1,8 % pro Jahr. Der IAB ist deshalb kein Instrument für vage Absichten, sondern für realistische Investitionsplanung.

Die 90-%-Nutzung ist die zweite Falle: Das Wirtschaftsgut muss im Anschaffungs- und Folgejahr fast ausschließlich betrieblich genutzt werden — kritisch beim Pkw mit Privatnutzung. Faustregel: Beim Firmenwagen mit 1-%-Regelung geht der IAB regelmäßig nicht; mit Fahrtenbuch und nachgewiesenen ≥ 90 % Betriebsfahrten schon.

Timing-Strategie: Der IAB wirkt am stärksten in Jahren mit Gewinnspitzen knapp unter der 200.000-Euro-Grenze — er drückt Progression und kann sogar den Zugang zur Grenze selbst sichern. Auch nachträglich, etwa im Einspruchsverfahren oder nach einer Betriebsprüfung, lässt sich ein IAB noch geltend machen, solange die Investitionsabsicht plausibel ist.

Maschine 120.000 € — Steuerwirkung mit IAB-Paket
  • Jahr 0: IAB (50 %)− 60.000 €
  • Jahr 1: Sonder-AfA (40 % v. 60.000)− 24.000 €
  • Jahr 1: lineare AfA (ND 10 J., Basis 60.000)− 6.000 €
  • Steuerlich verarbeitet nach 2 Jahren90.000 € von 120.000 €
Vereinfacht, Stand 2026. Bei ~30 % Steuerlast: rund 27.000 € Liquidität vor bzw. im Anschaffungsjahr.
03Häufige Fragen

Investitionsabzugsbetrag — kurz beantwortet.

Für welche Wirtschaftsgüter gibt es den IAB?
Für abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens — neu oder gebraucht: Maschinen, Fahrzeuge, Hardware, Einrichtung, Photovoltaikanlagen. Nicht begünstigt sind Immobilien, immaterielle Güter wie Software-Lizenzen und Umlaufvermögen.
Wer darf den IAB nutzen?
Betriebe mit maximal 200.000 Euro Gewinn im Abzugsjahr — unabhängig von Rechtsform und Gewinnermittlungsart. Bei Personengesellschaften zählt der Gesamtgewinn der Gesellschaft; jeder Betrieb hat seinen eigenen 200.000-Euro-Höchstbetrag für laufende IAB.
Was passiert, wenn die Investition billiger wird als geplant?
Der IAB darf nur bis zu 50 % der tatsächlichen Kosten verrechnet werden — der überschießende Teil wird rückwirkend im Abzugsjahr aufgelöst und verzinst. Lieber konservativ kalkulieren oder den IAB auf mehrere Wirtschaftsgüter verteilen.
Kann ich den IAB für einen Firmenwagen nutzen?
Nur bei mindestens 90 % betrieblicher Nutzung in Kauf- und Folgejahr — nachweisbar praktisch nur per Fahrtenbuch. Mit 1-%-Regelung unterstellt die Rechtsprechung regelmäßig zu viel Privatnutzung. Für E-Firmenwagen ist stattdessen die 75-%-Sonderabschreibung interessant, die diese Hürde nicht kennt.
Lohnt der IAB auch, wenn ich sicher erst in zwei Jahren investiere?
Gerade dann: Sie ziehen die Steuerersparnis zwei Jahre vor und finanzieren damit einen Teil der Anschaffung. Entscheidend ist, dass die Investition realistisch kommt — sonst frisst die verzinste Rückabwicklung den Vorteil wieder auf.

IAB, Sonder-AfA, degressive AfA: Wir schnüren das Investitionspaket für Ihre nächste Anschaffung — Erstgespräch kostenlos.

04Weiterlesen

Verwandte Begriffe & vertiefende Inhalte.

Abschreibung
Zum Begriff →
Geringwertige Wirtschaftsgüter
Zum Begriff →
Einnahmenüberschussrechnung
Zum Begriff →
Steuervorauszahlung
Zum Begriff →
Einkommensteuer
Zum Begriff →
Steuerberatung & Strategie
Zur Leistung →
Alle Begriffe
Zum Glossar →