Das Spritpreisgesetz 2026: Was Sie wissen müssen

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Stand: März 2026

Die Preise an deutschen Tankstellen haben in den vergangenen Wochen ein Niveau erreicht, das viele Autofahrer, Pendler und Unternehmen spürbar belastet. Die militärische Eskalation im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus haben zu deutlich steigenden Kraftstoffpreisen geführt. In Deutschland sind die Preise dabei teilweise stärker gestiegen als im europäischen Durchschnitt, was Verbraucherinnen und Verbraucher sowie die Wirtschaft erheblich belastet. Als Reaktion darauf hat die Bundesregierung ein Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht, das unter dem Begriff „Spritpreisgesetz 2026″ bekannt geworden ist – offiziell: das Kraftstoffpreisanpassungsgesetz (KPAnG). Dieser Artikel erklärt, was dahintersteckt, wie das Gesetz funktioniert und welche Fragen sich für Unternehmer und Selbstständige stellen.

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Hintergrund: Warum handelt die Bundesregierung jetzt?

Wer in Deutschland tankt, kennt das Phänomen seit Jahren: Die Preise an der Zapfsäule schwanken täglich in einem kaum nachvollziehbaren Rhythmus. Im ersten Halbjahr 2025 registrierte das Bundeskartellamt im Schnitt 22 Preisänderungen pro Tankstelle und Tag. Für Autofahrer bedeutet das: Ein günstiger Moment ist schwer zu erwischen, und wer zum falschen Zeitpunkt tankt, zahlt deutlich mehr als nötig.

Zu dieser strukturellen Intransparenz kommt nun die geopolitische Krise. Infolge des Iran-Nahost-Konflikts und der Schließung der Hormuz-Schifffahrtsroute ist der Ölpreis auf dem Weltmarkt um rund 30 Prozent gestiegen. Die Spritpreise in Deutschland steigen rasant und überschreiten erneut die 2-Euro-Marke – Auslöser sind unter anderem der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus, über die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels läuft.

Für Unternehmen – vom Handwerksbetrieb über die Spedition bis zum Außendienstmitarbeiter – ist das ein direktes Problem. Steigende Kraftstoffkosten erhöhen die Betriebsausgaben, belasten Kalkulationen und können Margen empfindlich schmälern. Autofahrer, Familien, Pendler, Handwerker und Logistikbetriebe, die auf bezahlbare Mobilität angewiesen sind, werden von dieser Entwicklung hart getroffen – für viele wird der tägliche Weg zur Arbeit, zur Schule oder zu wichtigen Terminen zunehmend unbezahlbar.

Kernaussage: Das Spritpreisgesetz 2026 ist keine Preisdeckelung. Es reguliert nicht, wie teuer Kraftstoff sein darf – sondern wie oft und wann Tankstellen ihre Preise erhöhen dürfen. Das ist ein wichtiger Unterschied, den Verbraucher und Unternehmen kennen sollten.

Der „Rakete-und-Feder-Effekt” als Auslöser

Das Verbot soll den vom Bundeskartellamt beobachteten „Rakete-und-Feder-Effekt” durchbrechen: Bisher stiegen Kraftstoffpreise bei steigenden Rohölpreisen oft sehr schnell, wogegen sie bei sinkenden Rohölpreisen nur langsam zurückgingen. Dieses asymmetrische Verhalten benachteiligt Verbraucher systematisch – und genau hier setzt das neue Gesetz an.

Die Monopolkommission hat festgestellt, dass die Preisanstiege hierzulande in keinem Verhältnis zum Rohölpreis stehen. Das Bundeskabinett sah sich dadurch veranlasst, regulierend einzugreifen.


Was regelt das Kraftstoffpreisanpassungsgesetz konkret?

Das Bundeskabinett hat am 17. März 2026 im Umlaufverfahren ein Maßnahmenpaket beschlossen. Das Kraftstoffmaßnahmenpaket stärkt den Wettbewerb im Kraftstoffmarkt mit drei Einzelmaßnahmen: Ein neues Kraftstoffpreisanpassungsgesetz (KPAnG) sorgt künftig dafür, dass die Kraftstoffpreise an Tankstellen nur noch einmal am Tag um 12 Uhr mittags angehoben werden dürfen.

Preissenkungen bleiben hingegen jederzeit und beliebig oft möglich. Damit können sich Verbraucherinnen und Verbraucher besser auf die Kraftstoffpreise verlassen und leichter unter Nutzung der bestehenden Preisvergleichs-Apps und anderer digitaler Tools preisbewusst tanken.

Das Spritpreisgesetz 2026: Was Sie wissen müssen

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Das KPAnG gilt für die Kraftstoffsorten Super E5, Super E10 und Diesel – nicht jedoch für andere Kraftstoffsorten wie beispielsweise Premiumbenzin. Das ist eine wichtige Einschränkung, die im Alltag jedoch die große Mehrheit der Fahrzeuge betrifft.

Die drei Säulen des Maßnahmenpakets im Überblick

  • Einmal-täglich-Regel (KPAnG). Tankstellen dürfen die Kraftstoffpreise nur noch einmal am Tag um 12 Uhr erhöhen. Preissenkungen sollen hingegen jederzeit möglich sein.
  • Verschärftes Kartellrecht. Das Bundeskartellamt soll einfacher gegen marktbeherrschende Unternehmen aus dem Kraftstoffbereich vorgehen können, wenn Hinweise auf unangemessen hohe Preise vorliegen. Bei stark steigenden Preisen soll künftig die Beweislast umgekehrt werden, was bedeutet, dass Unternehmen darlegen müssen, dass ihre Preissteigerungen sachlich gerechtfertigt seien.
  • Freigabe nationaler Ölreserven. Die Bundesregierung gibt einen Teil der nationalen Ölreserven frei, um kurzfristig Druck aus dem Markt zu nehmen. Diese Maßnahme soll die Versorgungslage stabilisieren und spekulativen Preisaufschlägen entgegenwirken.

Bei Verstößen gegen das Verbot täglich mehrfacher Preiserhöhungen drohen Bußgelder bis zu 100.000 Euro. Das verleiht der Regelung Nachdruck – auch wenn die praktische Durchsetzung noch zu beobachten bleibt.

Wichtiger Hinweis: Das Gesetz wurde am 19. März 2026 in erster Lesung im Bundestag beraten. Die abschließende Beratung ist für die Woche ab dem 23. März vorgesehen. Am 27. März soll der Bundesrat darüber entscheiden. Das Gesetz befindet sich damit zum Zeitpunkt dieses Artikels noch im parlamentarischen Verfahren.


Das Vorbild Österreich – und warum Experten skeptisch sind

In Österreich gilt die Regel, dass Tankstellen ihre Preise nur einmal täglich anheben dürfen, bereits seit 2011. Ursprünglich war der Zeitpunkt auf den Betriebsbeginn festgelegt, wurde später aber auf 12 Uhr geändert – weil Tankstellen an Pendlerstrecken stadteinwärts sonst bevorzugt worden wären. Deutschland orientiert sich nun an diesem Modell.

Die Regelung habe sich in Österreich als zweckmäßig und zufriedenstellend erwiesen, hieß es im Herbst aus dem österreichischen Wirtschaftsministerium. Gleichzeitig ist das Bild nicht eindeutig positiv: Das Bundeskartellamt hatte sich in einer Sektoruntersuchung zum deutschen Kraftstoffmarkt zur Regelung in Österreich geäußert – allerdings ohne klare Tendenz. Es gebe zwar eine Studie, der zufolge das dortige Modell zu Preissenkungen geführt haben könnte. Andere kritischere Betrachtungen teilten aber die Sorge, dass die Preise zu Beginn zu hoch angesetzt werden könnten.

Das Spritpreisgesetz 2026: Was Sie wissen müssen
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Was Kritiker bemängeln

Der Widerstand gegen das Gesetz kommt aus verschiedenen Richtungen – sowohl von Verbraucherseite als auch aus der Wirtschaft. Die zentralen Einwände lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Höhere Basispreise als Vorsorge. Der ADAC weist darauf hin, dass Mineralölkonzerne ihre Preise vorsorglich höher ansetzen könnten, wenn sie diese später nicht mehr flexibel erhöhen dürfen. In diesem Fall könnte das durchschnittliche Preisniveau sogar steigen.
  • Ungünstiger Zeitpunkt für Berufstätige. Aus der Mittagsregel ergibt sich, dass Sprit oft kurz vor Mittag am billigsten wäre – zu einer Zeit, in der viele Menschen nicht tanken können. In Deutschland ist normalerweise der Abend der günstigste Zeitpunkt, um zu tanken.
  • Grundproblem bleibt ungelöst. Die Grundproblematik – ein Ölpreis, der seit der Blockade der Straße von Hormus um über 30 Prozent gestiegen ist – lässt sich mit einer Uhr-12-Regel jedenfalls nicht wegregulieren.

Fachleute betonen, dass regulatorische Eingriffe in Preismechanismen stets Nebenwirkungen erzeugen können, die schwer vorherzusagen sind. Eine Prüfung im Einzelfall – etwa bei unternehmerischen Entscheidungen zu Fuhrparkkosten oder Lieferpreiskalkulationen – kann sich daher lohnen.


Was bedeutet das Spritpreisgesetz 2026 für Unternehmer und Selbstständige?

Wer ein Unternehmen führt und dabei auf Kraftstoff angewiesen ist – sei es im Handwerk, im Außendienst, im Transportwesen oder bei der täglichen Fahrt zum Büro – spürt steigende Spritpreise unmittelbar in der Kostenrechnung. Das neue Gesetz beeinflusst diese Situation auf mehreren Ebenen.

Steuerliche Entlastungen parallel zum Gesetz

Unabhängig vom Spritpreisgesetz hat die Bundesregierung weitere Maßnahmen beschlossen, die insbesondere Berufstätige und Unternehmer entlasten sollen. Die Entfernungspauschale (auch Pendlerpauschale genannt – ein steuerlicher Abzugsbetrag für Fahrten zur Arbeit) wurde zum 1. Januar 2026 einheitlich auf 38 Cent ab dem ersten gefahrenen Kilometer erhöht. Bisher lag sie bis zum 20. Kilometer bei 30 Cent und erst ab dem 21. Kilometer bei 38 Cent.

Die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler werden im Jahr 2026 durch diese Maßnahme um ungefähr 1,1 Milliarden Euro und ab 2027 jährlich um etwa 1,9 Milliarden Euro entlastet. Für Selbstständige, die das Fahrzeug betrieblich nutzen, kann sich eine genaue Abstimmung mit der Steuerberaterin oder dem Steuerberater lohnen – insbesondere bei der Frage, ob ein Fahrzeug dem Betriebs- oder Privatvermögen zuzuordnen ist.

Zudem wurde die Stromsteuer für Handwerk, Mittelstand und energieintensive Branchen abgesenkt, was Produktionskosten senkt und Preise entlang der gesamten Wertschöpfungskette stabilisiert.

CO₂-Abgabe: Tanken bleibt teurer

Das Spritpreisgesetz ändert nichts an den strukturellen Kostentreibern. Der CO₂-Preis auf fossile Brennstoffe wie Benzin und Diesel steigt 2026 weiter. Künftig bildet sich der CO₂-Preis über den Handel mit Emissionshandelszertifikaten in einer Spanne zwischen 55 Euro und 65 Euro je Tonne CO₂. Für die Verbraucherpreise bedeutet dies eine Preissteigerung von bis zu etwa drei Cent pro Liter bei Benzin und Diesel.

Für Unternehmen, die Kraftstoffkosten steuerlich geltend machen, lohnt sich eine Prüfung im Einzelfall, wie sich die veränderte Kostenstruktur auf die Betriebsausgaben und die Steuerlast auswirkt. In der Praxis empfiehlt sich eine frühzeitige Abstimmung mit dem Steuerberater, um alle verfügbaren Abzugsmöglichkeiten zu nutzen.


Der parlamentarische Zeitplan und was noch offen ist

Die Regierungsfraktionen von CDU/CSU und SPD haben den Entwurf für das Kraftstoffpreisanpassungsgesetz (21/4744) am 18. März 2026 eingebracht. Die abschließende Beratung ist für die Woche ab dem 23. März vorgesehen. Am 27. März soll der Bundesrat darüber entscheiden.

Ziel ist es, die neuen Regeln möglichst noch vor den großen Reisewellen zu Ostern 2026 in Kraft zu setzen. Da es sich um eine einfache Mehrheit handelt, dürfte die Koalition das zügig durchbekommen.

Offen bleibt, wie effektiv das Gesetz in der Praxis wirkt. Das Kraftstoffpreisanpassungsgesetz wird nach einem Jahr überprüft. Damit hat der Gesetzgeber eine Evaluierungsklausel eingebaut – ein Zeichen dafür, dass auch die Politik die Unsicherheit über die tatsächliche Wirkung anerkennt.

Kernaussage: Das Spritpreisgesetz 2026 schafft mehr Transparenz und Verlässlichkeit an der Zapfsäule – es ist aber kein Instrument zur direkten Preissenkung. Wer günstig tanken will, profitiert künftig von einer klaren Tagesstruktur: Preissenkungen sind jederzeit möglich, Erhöhungen nur noch einmal täglich um 12 Uhr.


Häufig gestellte Fragen

Was ist das Spritpreisgesetz 2026 genau?

Das Kraftstoffmaßnahmenpaket stärkt den Wettbewerb im Kraftstoffmarkt. Ein neues Kraftstoffpreisanpassungsgesetz (KPAnG) sorgt künftig dafür, dass die Kraftstoffpreise an Tankstellen nur noch einmal am Tag um 12 Uhr mittags angehoben werden dürfen. Preissenkungen bleiben jederzeit möglich. Ergänzt wird das Gesetz durch Änderungen im Kartellrecht und die Freigabe nationaler Ölreserven.

Für welche Kraftstoffe gilt das neue Gesetz?

Nach dem KPAnG fallen unter den Begriff Kraftstoffe nur die Sorten Super E5, Super E10 und Diesel – nicht aber andere Kraftstoffsorten wie beispielsweise Premiumbenzin. Für die große Mehrheit der Fahrzeuge in Deutschland ist das Gesetz damit relevant.

Was droht Tankstellen bei Verstößen?

Bei Verstößen gegen das Verbot täglich mehrfacher Preiserhöhungen drohen Bußgelder bis zu 100.000 Euro. Zusätzlich sollen die Kartellbehörden künftig leichter gegen marktbeherrschende Mineralölunternehmen vorgehen können, wenn Hinweise auf missbräuchlich überhöhte Preise vorliegen.

Warum orientiert sich Deutschland am österreichischen Modell?

In Österreich gilt die Einmal-täglich-Regel bereits seit 2011. Die Regelung habe sich dort als zweckmäßig und zufriedenstellend erwiesen, hieß es aus dem österreichischen Wirtschaftsministerium. Gleichwohl ist die Evidenz gemischt: Einige Studien zeigen Preissenkungseffekte, andere warnen vor höheren Basispreisen durch strategisches Verhalten der Anbieter.

Ändert das Gesetz etwas an der CO₂-Abgabe auf Kraftstoff?

Nein. Der CO₂-Preis auf fossile Brennstoffe wie Benzin und Diesel steigt 2026 weiter. Ab 2028 drohen noch höhere Kosten beim Tanken. Das Spritpreisgesetz adressiert die Preistransparenz und den Wettbewerb, nicht die steuerliche Belastung des Kraftstoffs. Eine Beratung im Einzelfall kann helfen, steuerliche Entlastungsmöglichkeiten wie die erhöhte Pendlerpauschale optimal zu nutzen.

Wann tritt das Spritpreisgesetz in Kraft?

Das Gesetz tritt am Tag nach der Verkündung in Kraft. Ziel der Bundesregierung ist es, die neuen Regeln möglichst noch vor den großen Reisewellen zu Ostern 2026 wirksam werden zu lassen. Zum Zeitpunkt dieses Artikels läuft das parlamentarische Verfahren noch.


Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine steuerliche oder rechtliche Beratung dar. Steuerliche und rechtliche Sachverhalte sind individuell verschieden. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Steuerberater. Trotz sorgfältiger Recherche übernehmen wir keine Gewähr für die Vollständigkeit und Aktualität der Angaben.

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Inhaberin & Steuerberaterin: Fatma Tabak-Özkul

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