Steuer-Glossar · E

Einkommensteuer einfach erklärt.

Die Einkommensteuer ist die wichtigste Steuer für natürliche Personen: Sie erfasst alles, was Sie verdienen — vom Unternehmergewinn über das Gehalt bis zur Mieteinnahme. Der Tarif steigt progressiv von 14 auf bis zu 45 Prozent. Wer die Mechanik versteht, kann legal gegensteuern.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Grundfreibetrag 2026: 12.348 Euro (Ehepaare 24.696 Euro) — bis dahin bleibt das Einkommen steuerfrei.
  • Progressiver Tarif: Eingangssatz 14 %, Spitzensteuersatz 42 % ab 69.879 Euro, Reichensteuer 45 % ab 277.826 Euro zu versteuerndem Einkommen.
  • Besteuert werden sieben Einkunftsarten — von Gewerbebetrieb und selbständiger Arbeit über Lohn und Kapital bis zu Vermietung und Rente.
  • Der Grenzsteuersatz gilt nur für den nächsten Euro — nicht fürs ganze Einkommen. Niemand verliert netto durch eine Gehaltserhöhung.
  • Unternehmer zahlen die Einkommensteuer per Vorauszahlung (10. März, Juni, September, Dezember) — anpassbar, wenn der Gewinn schwankt.
Einkommensteuer drückt? Gestaltung beginnt vor dem Jahresende.
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01System

Vom Einkommen zur Steuer: die Rechenstrecke.

Am Anfang stehen die sieben Einkunftsarten: Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbständige Arbeit, nichtselbständige Arbeit, Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung sowie sonstige Einkünfte (u. a. Renten). Innerhalb jeder Art werden Einnahmen um Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten gekürzt — Verluste einer Einkunftsart können grundsätzlich mit Gewinnen anderer verrechnet werden.

Von der Summe der Einkünfte geht es über Sonderausgaben (Vorsorgeaufwendungen, Spenden, Kirchensteuer) und außergewöhnliche Belastungen zum zu versteuernden Einkommen — erst darauf wird der Tarif angewendet. Für Ehepaare halbiert das Splittingverfahren die Progression: Das gemeinsame Einkommen wird halbiert, versteuert, verdoppelt — je größer der Einkommensunterschied der Partner, desto größer der Vorteil.

Für Unternehmer wichtig: Gewinne aus Gewerbebetrieb und selbständiger Arbeit fließen voll in den progressiven Tarif — anders als Kapitalerträge (25 % Abgeltungsteuer) oder GmbH-Gewinne (15 % Körperschaftsteuer, solange nicht ausgeschüttet). Genau aus diesem Gefälle entstehen die großen Gestaltungsfragen der Rechtsformwahl.

02Tarif 2026

Progression verstehen: Grenzsteuersatz schlägt Bauchgefühl.

Die Tabelle rechts zeigt die Eckwerte des Tarifs 2026. Entscheidend ist der Unterschied zwischen Durchschnitts- und Grenzsteuersatz: Wer 69.879 Euro zu versteuern hat, zahlt nicht 42 % auf alles — sondern im Schnitt deutlich weniger; nur jeder zusätzliche Euro kostet 42 Cent (plus ggf. Soli und Kirchensteuer).

Für die Gestaltung heißt das: Es lohnt sich, Einkommen zwischen Jahren zu verschieben (Investitionszeitpunkte, Rechnungsstellung bei EÜR), zwischen Personen zu verteilen (Ehegatten-Arbeitsverträge, Beteiligung der Familie) und zwischen Steuerregimen zu wählen (Thesaurierung in der GmbH statt Vollentnahme). Jeder Prozentpunkt Progression, der vermieden wird, ist bares Geld.

Unternehmer mit Gewerbebetrieb bekommen zudem die Gewerbesteuer mit dem Faktor 4,0 auf die Einkommensteuer angerechnet (§ 35 EStG) — bis etwa 400 % Hebesatz ist sie damit weitgehend neutralisiert.

Einkommensteuertarif 2026 — Eckwerte (Ledige)
  • bis 12.348 € (Grundfreibetrag)0 %
  • ab 12.349 € (Eingangssatz)14 %
  • ab 69.879 € (Spitzensteuersatz)42 %
  • ab 277.826 € (Reichensteuer)45 %
§ 32a EStG, Stand 2026; Ehepaare: doppelte Beträge im Splitting. Zzgl. Soli (ab höheren Einkünften) und ggf. Kirchensteuer.
03Häufige Fragen

Einkommensteuer — kurz beantwortet.

Wer muss eine Einkommensteuererklärung abgeben?
Unternehmer, Selbständige und Vermieter grundsätzlich immer. Arbeitnehmer nur in bestimmten Fällen — etwa bei Nebeneinkünften über 410 Euro, Steuerklassen-Kombination III/V oder Lohnersatzleistungen wie Kurzarbeiter- oder Elterngeld über 410 Euro.
Was ist der Unterschied zwischen Grenz- und Durchschnittssteuersatz?
Der Durchschnittssteuersatz ist die tatsächliche Belastung des gesamten Einkommens; der Grenzsteuersatz gilt nur für den nächsten hinzuverdienten Euro. Bei 69.879 Euro liegt der Grenzsteuersatz bei 42 %, der Durchschnittssatz aber erst bei rund 28 %.
Zahlt eine GmbH Einkommensteuer?
Nein — Kapitalgesellschaften zahlen Körperschaftsteuer (15 %). Einkommensteuer fällt erst beim Gesellschafter an: auf sein Geschäftsführergehalt (progressiv) und auf Ausschüttungen (Kapitalertragsteuer oder Teileinkünfteverfahren).
Wie funktionieren die Vorauszahlungen?
Das Finanzamt setzt sie auf Basis des letzten Bescheids fest — fällig je zum 10. März, Juni, September und Dezember. Bricht der Gewinn ein, sollte sofort ein Herabsetzungsantrag gestellt werden; das schont die Liquidität, statt auf die Erstattung im Folgejahr zu warten.
Welche Stellschrauben senken die Einkommensteuer legal?
Timing (Investitionen, Investitionsabzugsbetrag, Zufluss-Steuerung bei EÜR), Verteilung (Splitting, Familien-Arbeitsverträge, Beteiligungen), Regimewahl (GmbH-Thesaurierung, Holding) und die volle Nutzung von Vorsorge- und Sonderausgaben. Was davon bei Ihnen wirkt, zeigt eine Hochrechnung vor Jahresende — nicht danach.

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