Stand: Oktober 2026
Heute zahlt Ihre GmbH 15 Prozent Körperschaftsteuer. Von 2028 an verliert der Satz Jahr für Jahr einen Prozentpunkt, bis er 2032 bei 10 Prozent ankommt. Das steht bereits im Gesetz und ist keine Absichtserklärung mehr – verankert durch das Investitionssofortprogramm des Bundes (Gesetz vom 14. Juli 2025, BGBl. 2025 I Nr. 161). Für Gesellschafter einer GmbH stellt sich damit eine naheliegende Frage: Sollen Gewinne künftig eher im Unternehmen bleiben oder weiter ausgeschüttet werden?
Die kurze Antwort: Die Senkung wirkt auf den Gewinn des Jahres, in dem er entsteht – nicht auf den Zeitpunkt der Ausschüttung. Wer das im Blick hat, trifft die Entscheidung nach Liquidität und Gesellschafterlage, nicht nach Bauchgefühl. Dieser Beitrag zeigt die Stufen, rechnet die Gesamtbelastung einer GmbH in Mannheim nachvollziehbar durch und nennt die Stellschrauben, die sich bis 2032 lohnen.
Was genau ist beschlossen?
§ 23 Abs. 1 KStG legt den Steuersatz jetzt für jeden Veranlagungszeitraum einzeln fest. Parallel sinkt für Einzelunternehmer und Personengesellschaften der Steuersatz für nicht entnommene Gewinne (Thesaurierungsbegünstigung nach § 34a Abs. 1 EStG):
| Veranlagungszeitraum | Körperschaftsteuer (§ 23 KStG) | Thesaurierungssatz (§ 34a EStG) |
|---|---|---|
| bis 2027 | 15 % | 28,25 % |
| 2028 | 14 % | 27 % |
| 2029 | 13 % | 27 % |
| 2030 | 12 % | 26 % |
| 2031 | 11 % | 26 % |
| ab 2032 | 10 % | 25 % |
Nicht angetastet wurden zwei weitere Bausteine der Unternehmensbesteuerung: die Gewerbesteuer, bei der die Steuermesszahl von 3,5 Prozent (§ 11 Abs. 2 GewStG) mit dem kommunalen Hebesatz vervielfacht wird, und der Soli, der weiterhin 5,5 Prozent der Körperschaftsteuer beträgt. Das Bundesfinanzministerium fasst die Wirkung so zusammen:
Gesamtsteuerbelastung für Unternehmen beträgt damit ab dem Jahr 2032 knapp 25 Prozent statt aktuell knapp 30 Prozent
Wie hoch die Belastung im Einzelfall ist, hängt vor allem vom Gewerbesteuer-Hebesatz ab. In Städten mit hohem Hebesatz liegt sie spürbar über diesen Werten.
Wie hoch ist die Gesamtbelastung einer GmbH? Ein Rechenbeispiel
Annahmen: Ihre GmbH sitzt in Mannheim und weist vor Steuern 100.000 Euro Gewinn aus. Der Gewerbeertrag entspricht vereinfacht dem Gewinn (keine Hinzurechnungen oder Kürzungen). Der Hebesatz der Stadt Mannheim beträgt seit dem 1. Januar 2012 430 Prozent. Die Gewerbesteuer ist keine Betriebsausgabe (§ 4 Abs. 5b EStG) und mindert deshalb die Bemessungsgrundlage der Körperschaftsteuer nicht.
| Ebene der GmbH | 2027 | ab 2032 |
|---|---|---|
| Gewerbesteuer: 100.000 € × 3,5 % × 430 % | 15.050 € | 15.050 € |
| Körperschaftsteuer: 15 % bzw. 10 % von 100.000 € | 15.000 € | 10.000 € |
| Solidaritätszuschlag: 5,5 % der Körperschaftsteuer | 825 € | 550 € |
| Steuern der GmbH | 30.875 € (30,9 %) | 25.600 € (25,6 %) |
| Verbleibender Gewinn | 69.125 € | 74.400 € |
Fließt der Rest als Dividende an Sie als Gesellschafter und liegen die Anteile in Ihrem Privatvermögen, behält die GmbH Abgeltungsteuer von 25 Prozent ein (§ 32d Abs. 1 EStG), zuzüglich Soli in Höhe von 5,5 Prozent dieser Steuer. Kirchensteuer lassen wir im Beispiel weg:
- 2027: 17.281,25 € Abgeltungsteuer + 950,46 € Solidaritätszuschlag. Netto beim Gesellschafter: 50.893,29 €. Gesamtbelastung: 49,1 Prozent.
- ab 2032: 18.600 € Abgeltungsteuer + 1.023 € Solidaritätszuschlag. Netto beim Gesellschafter: 54.777 €. Gesamtbelastung: 45,2 Prozent.
Der Unterschied zur Angabe des Ministeriums liegt am Hebesatz: Mit 430 Prozent liegt Mannheim über dem gewogenen Bundesdurchschnitt, den die kommunalen Spitzenverbände im April 2026 mit 409 Prozent angegeben haben. Für Ihren Standort können Sie die Werte mit unserem GmbH-Steuerrechner nachvollziehen.
Wie viel kommt von Ihrem GmbH-Gewinn bei Ihnen an?
Wir rechnen mit Ihrem Hebesatz, Ihrer Beteiligungsstruktur und Ihrem Gehalt – für 2027 und die Stufen bis 2032.
✓ Antwort binnen 120 Minuten ✓ kostenlos ✓ unverbindlichAusschütten oder thesaurieren: Worauf kommt es an?
Maßgeblich für den Körperschaftsteuersatz ist das Jahr, in dem die GmbH ihr Einkommen erzielt. Drei Folgerungen daraus werden in Gesellschafterrunden häufig vermischt:
- Warten senkt die Körperschaftsteuer nicht. Ein Gewinn aus 2027 ist mit 15 Prozent belastet – egal, ob er 2028 oder erst 2033 ausgeschüttet wird. Die niedrigeren Sätze gelten nur für Gewinne, die ab 2028 entstehen.
- Thesaurieren verschiebt die zweite Steuerstufe. Solange der Gewinn in der GmbH bleibt, fällt nur die Belastung auf Gesellschaftsebene an. Die Steuer auf die Ausschüttung entsteht erst, wenn tatsächlich ausgeschüttet wird. Sinnvoll ist das vor allem dann, wenn die GmbH das Kapital ohnehin für Investitionen oder als Polster benötigt.
- Die Ausschüttungsbelastung hängt vom Gesellschafter ab. Für Anteile im Privatvermögen gilt im Regelfall die Abgeltungsteuer. Ein Antrag auf das Teileinkünfteverfahren steht Gesellschaftern offen, die ein Viertel oder mehr der Anteile halten – oder mindestens 1 Prozent, wenn sie zugleich beruflich für die GmbH tätig sind (§ 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG). In diesem Fall unterliegen 60 Prozent der Dividende Ihrem individuellen Steuersatz (§ 3 Nr. 40 EStG); im Gegenzug können Sie zugehörige Aufwendungen, etwa Finanzierungszinsen, zu 60 Prozent geltend machen (§ 3c Abs. 2 EStG). Mehr dazu in unserem Beitrag zum Teileinkünfteverfahren.
Anders sieht es aus, wenn zwischen Ihnen und der operativen GmbH eine Holding-GmbH steht: Dividenden bleiben dort steuerlich weitgehend unberücksichtigt (§ 8b Abs. 1 KStG); lediglich ein Zwanzigstel – 5 Prozent – wird als nicht abzugsfähiger Aufwand behandelt (§ 8b Abs. 5 KStG). Voraussetzung ist unter anderem eine unmittelbare Beteiligung von mindestens 10 Prozent zu Beginn des Kalenderjahres (§ 8b Abs. 4 KStG). Für Gesellschafter, die Gewinne in weitere Beteiligungen reinvestieren wollen, kann das interessant sein – wann sich eine Holding lohnt, zeigt unsere Seite Holding- und Konzernmodelle.
Die sinkende Körperschaftsteuer ist kein Grund, Ausschüttungen aufzuschieben – für Gewinne aus 2027 ändert sie nichts. Sie belohnt aber, wer Gewinne, Gehalt und Investitionen bewusst über mehrere Jahre plant. Genau das rechnen wir für jede GmbH konkret durch.
Welche Stellschrauben lohnen sich bis 2032?
Aufwand vorziehen, Gewinn verschieben
Jeder Euro Gewinn, der zulässig aus 2027 in ein Jahr ab 2032 verschoben wird, ist mit Körperschaftsteuer und Solidaritätszuschlag um 5,275 Prozentpunkte niedriger belastet (15,825 statt 10,55 Prozent). Ein Werkzeug dafür ist die degressive AfA von bis zu 30 Prozent für bewegliche Wirtschaftsgüter, die nach dem 30. Juni 2025 und vor dem 1. Januar 2028 angeschafft werden (§ 7 Abs. 2 EStG). Sie verlagert Abschreibungen in die ersten Jahre und damit Gewinne in die Jahre mit niedrigerem Steuersatz.
Geschäftsführergehalt und Ausschüttung neu austarieren
Ihr Gehalt als Gesellschafter-Geschäftsführer ist bei der GmbH Betriebsausgabe, sofern es angemessen ist, und wird bei Ihnen persönlich nach Ihrem individuellen Tarif besteuert. Je niedriger die Belastung auf Ebene der GmbH, desto kleiner wird der Vorteil, Gewinne über das Gehalt statt über Ausschüttungen zu beziehen. Im Mannheimer Beispiel spart ein zusätzlicher Euro Gehalt 2027 noch 30,875 Cent Unternehmensteuern, ab 2032 nur noch 25,6 Cent. Wie sich das für Sie auswirkt, zeigt unser Rechner Gehalt oder Ausschüttung. Achten Sie bei jeder Änderung auf die Angemessenheit, sonst droht eine verdeckte Gewinnausschüttung.
Personenunternehmen: Thesaurierung und Option prüfen
Einzelunternehmer und Personengesellschaften profitieren über die sinkende Thesaurierungsbegünstigung (§ 34a EStG). Werden die begünstigten Gewinne später entnommen, beträgt die Nachversteuerung allerdings unverändert 25 Prozent (§ 34a Abs. 4 Satz 2 EStG). Personenhandelsgesellschaften, Partnerschaftsgesellschaften und eingetragene Gesellschaften bürgerlichen Rechts können außerdem auf unwiderruflichen Antrag wie eine Kapitalgesellschaft besteuert werden (§ 1a KStG). Ob das sinnvoll ist, hängt von Gewinnhöhe, Entnahmen und Nachfolgeplänen ab – ein Thema für die Rechtsformwahl.
Wichtiger Hinweis: Das Rechenbeispiel ist vereinfacht. Hinzurechnungen bei der Gewerbesteuer (etwa für Zinsen und Mieten), Kirchensteuer, Verlustvorträge und abweichende Hebesätze verändern das Ergebnis. Die Zahlen ersetzen keine Berechnung mit Ihren Daten.
Tipp: Legen Sie den Gewinnverwendungsbeschluss für 2026 nicht isoliert fest. Planen Sie Ausschüttung, Gehalt und größere Investitionen für 2027 und 2028 in einem Zug – dann nutzen Sie den ersten Stufenschritt bewusst statt zufällig.
Weiterlesen: Überblick zur Körperschaftsteuer-Reform, Jahresabschluss für Ihre GmbH und laufende Steuerberatung.
Häufige Fragen
Ab welchem Jahr zahlt eine GmbH weniger Körperschaftsteuer?
Erstmals für 2028. Für alle Jahre bis 2027 bleibt es bei 15 Prozent; danach gilt laut § 23 Abs. 1 KStG: 2028 noch 14, 2029 dann 13, 2030 nur 12 und 2031 schließlich 11 Prozent. Vom Veranlagungszeitraum 2032 an sind es dauerhaft 10 Prozent.
Lohnt es sich, Ausschüttungen bis 2028 aufzuschieben?
Nicht wegen der Körperschaftsteuer. Sie wird auf den Gewinn des Jahres erhoben, in dem er entsteht. Ein Gewinn aus 2027 bleibt mit 15 Prozent belastet, auch wenn er erst später ausgeschüttet wird. Ob Sie ausschütten oder thesaurieren, sollte sich nach Liquiditätsbedarf und Gesellschafterlage richten.
Wie hoch ist die Steuerbelastung einer GmbH ab 2032?
Das hängt vom Gewerbesteuer-Hebesatz ab. Bei einem Hebesatz von 430 Prozent wie in Mannheim ergeben sich ab 2032 rund 25,6 Prozent (Gewerbesteuer 15,05 Prozent, Körperschaftsteuer 10 Prozent, Solidaritätszuschlag 0,55 Prozent), 2027 sind es 30,875 Prozent. Das Bundesfinanzministerium nennt für 2032 „knapp 25 Prozent“.
Sinkt auch die Thesaurierungsbegünstigung für Personenunternehmen?
Ja, in drei Schritten. Für Gewinne, die im Betrieb bleiben, gelten nach § 34a EStG bis 2027 noch 28,25 Prozent; für 2028 und 2029 sind es 27, für 2030 und 2031 dann 26 Prozent und ab 2032 nur noch 25 Prozent. Werden solche Gewinne später entnommen, bleibt der Nachsteuersatz bei 25 Prozent.
Wird die Gewerbesteuer ebenfalls gesenkt?
Nein. Die Steuermesszahl bleibt bei 3,5 Prozent, die Höhe bestimmt der Hebesatz der Gemeinde. Ab 2027 steigt zudem der gesetzliche Mindesthebesatz von 200 auf 280 Prozent – mehr dazu in unserem Beitrag zum Gewerbesteuer-Mindesthebesatz.
Quellen
- Gesetz für ein steuerliches Investitionssofortprogramm, BGBl. 2025 I Nr. 161
- § 23 KStG – Steuersatz
- § 34a EStG – Begünstigung der nicht entnommenen Gewinne
- § 11 GewStG – Steuermesszahl und Steuermessbetrag
- § 4 EStG (Abs. 5b) – Gewerbesteuer keine Betriebsausgabe
- § 32d EStG – Abgeltungsteuer und Antrag auf Teileinkünfteverfahren
- § 8b KStG – Beteiligung an anderen Körperschaften
- § 1a KStG – Option zur Körperschaftsbesteuerung
- BMF: Wachstumsbooster
- Stadt Mannheim: Gewerbesteuer (Hebesatz)
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine steuerliche Beratung im Einzelfall. Rechtsstand siehe oben; Gesetze, BMF-Schreiben und Rechtsprechung können sich ändern.
TABAK Steuerberatung
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Inhaberin und Steuerberaterin: Fatma Tabak-Özkul


